Hugo Schanovsky: Vom Bild zum Wort

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“Meine Tagesarbeit gipfelt darin, einige Sätze
aufs Papier zu schreiben und unter die Zeitgenossen zu werfen.”
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Über unsere Welt ist mit den modernen Massenmedien eine Bilderflut ohnegleichen hereingebrochen. So viele rasch wechselnde Bilder im Fernsehen und in den Printmedien, dass unsere Augen müde werden, sie zu schauen. Deshalb drängt es mich seit längerem, vom Bild zum Wort zurückzukehren.
Ich suche Bilder aus dem gegenwärtigen Weltgeschehen heraus und schreibe zu ihnen kritische Texte in Form von Prosagedichten. Es sind keine bleibenden literarischen Arbeiten. Wenn sie aber gelesen werden, erfüllen sie in unserer so brüchigen Zeit eine wichtige Aufgabe. Sie regen zum Nachdenken an.

Prof. Hugo Schanovsky
 * 29. November 1927
Autor, Stelzhamerbund-Mitglied
Linzer Bürgermeister 1984-1988

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Rezension in der Linzer Kirchenzeitung vom 19. Jänner 2012:

Dichter, Politiker und Spieler

Dem chilenischen Nobelpreisträger Pablo Neruda widmet der ehemalige Linzer Bürgermeister und Schriftsteller Prof. Hugo Schanovsky seine jüngste lyrische Biographie. … Nerudas Sprache und Dichtkunst haben es Schanovsky bald nach dem Zweiten Weltkrieg angetan. 2011 setzte er dem Meister ein Buchdenkmal, dem Literaten, Kommunisten und dem Verspielten: “Das Kind, das nicht spielt, ist kein Kind, aber der Mann, der nicht spielt, hat für immer das Kind verloren, das in ihm lebte und das ihm arg fehlen wird”, zitiert Schanovsky Neruda. (E.G.)
Pablo Neruda, Ich bekenne, ich habe gelebt, Prosagedichte, Hugo Schanovsky, Hrsg. Friedensstadt Linz, Druck: Gutenberg

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Mauern

In Berlin wurde die trennende Mauer, die Deutschland getrennt hatte, niedergerissen.
In Bethlehem, der Geburtsstadt von Jesus Christus, wurde eine neue Mauer errichtet. Sie soll die Muslime von den Christen trennen und zur Befriedung beider Lager beitragen.
Mauern kommen und gehen. Auch in Bethlehem wird die trennende Mauer keinen Bestand haben. Sie wird früher oder später fallen.

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KIRSCHBLÜTE 2011

Noch im März
breitete ein beißender Winter
sein klirrendes Leichentuch
über das weinende
Land.

Aber schon im April
küsste die aufgehende Sonne
die Kirschbäume.

Soll ich noch sagen,
was ein gütiger Gott
dem geschundenen Land
gab?

Ich sag es.
Er schenkte
dem grauen Land
das strahlende Weiß
der Kirschblüte.

Dieses Prosagedicht “Kirschblüte 2011″ veranlasste den japanischen Botschafter in Wien, Shigeo Iwatani, zu folgendem Brief:

Sehr geehrter Herr Prof. Schanovsky,

im Namen der Japanischen Botschaft möchte ich meinem tiefempfundenen Dank für die große Anteilnahme und das tiefe Mitgefühl Ausdruck verleihen, das Sie den Opfern der furchtbaren Erdbebenkatastrophe zuteil werden ließen.

Tief bewegt habe ich Ihr berührendes Gedicht gelesen und möchte mich dafür ganz herzlich bedanken. Ich habe es an unsere Kulturabteilung weitergeleitet. In einer Zeit wie dieser ist es äußerst wichtig den Menschen Mut zuzusprechen und Hoffnung zu geben, damit sie die vor ihnen liegenden Aufgaben bewältigen können.

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VOM AMTSSCHIMMEL UND ZWEI KLEINEN MÄDCHEN

Das Wappentier Österreichs
ist nicht der Adler,
das Wappentier der Alpenrepublik
ist der Amtsschimmel.

Er galoppiert
durch Dörfer und Städte,
wer sich ihm in den Weg stellt,
wird niedergemäht.

So gerieten auch
die beiden kleinen Mädchen
Daniella und Dorentinya
vor seine Hufe.

Er vertrieb sie
hinunter
in den unwirtlichen
Kosovo.

Der Amtsschimmel
hat ein gutes Leben.
Er wird in den Amtsstuben
liebevoll gefüttert
und kann ausbrechen,
wann und wohin er will.

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VON DER SCHAMRÖTE DER ÖSTERREICHER

Alle sechs Sekunden
stirbt auf unserer
ach so schönen Erde
ein Kind an Hunger.

Dennoch reichen die Schritte
zur Überwindung  dieses Elends
nicht aus, um die Sekunden
auf Minuten zu ändern.

Im Gegenteil.
Es gibt Rückschläge
in der Entwicklungshilfe,
die uns die Schamröte
ins Gesicht treiben.

So hat die österreichische Regierung
im Zeichen der Sparmaßnahmen
bis zum Jahr 2014
die Entwicklungshilfe
um 81 Millionen Euro
gekürzt.

Caritas und Diakonie
sind entsetzt.
Jetzt müssen sie
mit privaten Spenden
einen Teil der entfallenden Hilfe
wettmachen.

Es wird einige Zeit dauern,
den Weg von der Schamröte
zum Morgenrot
zu schaffen.