100 Jahre Sepp Karl: Er brachte die Melodiegitarre zur Volksmusik

[123] OÖN 3. Oktober 2013

Was für ein Kompliment für einen Komponisten: Lieder aus seiner Feder gelten als Volksweisen, als traditionelles Liedgut, etwa das Barbaralied „Glück auf, liabe Bergleut“. Sogar manche „Experten“ halten es für ein altes Bergmannslied aus Salzburg. Tatsächlich wurde es Anfang der 1950er Jahre von einem Ampflwanger Lehrer komponiert: Sepp Karl, geboren am 12. Oktober 1913 in Vöcklabruck, Geiger, Sängerknabe, Gitarrist, Organist.
Während er nach der Lehrerausbildung in Linz sechs Jahre lang auf einen Posten wartete, widmete sich Sepp Karl ganz der Musik. Auf einer Almsingwoche kam er in Kontakt mit Andrés-Segovia-Schüler Prof. Robert Treml, der ihn die Kunst des Solo-Gitarre-Spiels lehrte. Einmal monatlich radelte er – in den 30er Jahren! – von Vöcklabruck nach Linz zum Unterricht. Nach der Anstellung 1950 in Ampflwang gründete er „Die singenden Schulmoasta z’Ampflwang“ und schrieb für sie Lieder, die rasch so bekannt wurden, dass sie heute als Volkslieder gelten, von „Hörst die Pfeiferl in der Au“ bis „Heut schneibalts scho den ganzen Tag“ und „A ganze Weil hamma jetzt g’sunga und g’spielt“.
Als Instrumentalist schätzte Sepp Karl besonders die Gitarre. Sie war in der Volksmusik bis dahin nur zur Begleitung eingesetzt worden; Sepp Karl verschaffte ihr Bedeutung als Melodieinstrument. Aus seinen Vor- und Zwischenspielen, mit denen er die Lieder der „singenden Schulmoasta“ begleitete, wurden auf Anraten von Tobi Reiser viele „Stückln“, die bald das Repertoire vieler Musikanten bereicherten. Sein Kinderliederbuch „Sing ma a Liadl“ und sein Schulliederbuch „Komm sing mit“ vermittelten Abertausenden Schulkindern lustvollen Zugang zum alpenländischen Liedgut, seine Gitarreschule gilt heute noch als perfekte Grundlage. Jeder Aspekt des Gitarrespiels wird darin bis ins kleinste Detail erklärt, denn Sepp Karl war überzeugt: „Es gibt kein anderes Instrument, auf dem du so viel gleichzeitig falsch machen kannst.“
Sepp Karl starb 2003, sein Sohn Klaus führt das musikalische Erbe weiter. Die Melodiegitarre in der Volksmusik ist nicht verwaist.

info: Samstag, 12.10.: Jubiläumsabend „100 Jahre Sepp Karl“ mit: Hochfellner Dreigesang, Dürnberg Klarinettenmusi, Genießermusi, Ottensheimer Dreigsang, 20 Uhr, Wirt in Pesenbach / Feldkirchen. Sonntag, 13.10.: „Schöndorfer Messe“ von Franz Neudorfer und Sepp Karl, Helmut Außerwöger und Singkreis Gramastetten, 9.30 Uhr, Kirche Pesenbach.