940 Jahre St. Florianer Sängerknaben: Disziplinierte Lausbuben – unerhört!

[36] OÖN 21. Oktober 2011

Sie haben wirklich keinerlei Berührungsängste, die Verantwortlichen der St. Florianer Sängerknaben. Mit der Selbstsicherheit der Erfolgsverwöhnten und der Überzeugung, in allen Genres hohes Niveau zu bieten, bewegen sie sich auf unterschiedlichsten Spielwiesen, heuer sogar im Musikantenstadl.
Weist auch der Rahmen, in dem sie auftreten, noch so extreme Bandbreiten auf – die „Florianer“ mit der Hauptaufgabe Kirchenmusik lassen sich nicht verbiegen. Das garantiert die ruhige Konsequenz ihres künstlerischen Leiters Franz Farnberger. Unbeirrbar geht er seinen Weg, lässt gnadenlos abprallen, was seinen Überzeugungen widerspricht, vertritt diese mit klugen Argumenten, funkelnden Augen und sanfter Vehemenz. „Der Farni“, seit fast 30 Jahren in dieser Position tätig, steht gleichzeitig für Tradition und Erneuerung, für Kontinuität in der ständigen Weiterentwicklung seines Chores. „Die Sängerknaben sind meine Familie“, sagt er lächelnd. Verständnisvoll führt er die Schar begabter 10- bis 14-Jähriger durch Entwicklungsjahre zwischen Kunst und Sport, lustvoller Freizeit und konzentrierten Proben. Er lässt sie disziplinierte Lausbuben sein und erreicht so das Ziel, einen Knabenchor auf hohem Niveau zu formen.  Die Buben aus allen Landesteilen hängen an ihm, er baut nie eine abwehrende Mindestdistanz auf. Später erfährt er besonderen Dank dafür, wenn ehemalige Sängerknaben als Mitglieder des Männerchores oder sogar als Erzieher zu den Florianern zurückkehren. Sie bekennen sich damit zu einer besonders intensiv gelebten Form oberösterreichischer Volkskultur, deren Basis vor fast einem Jahrtausend gelegt wurde.

Seit die Augustiner Chorherren im Jahre 1071 das Stift St. Florian übernahmen, ist das Bestehen des Sängerknabeninstitutes nachgewiesen. Seit. In 60 Jahren werden heutige Sängerknaben als reife Männer das 1000-Jahre-Jubiläum ihres Chores mitfeiern können. Aus den unzähligen Generationen begabter „Sängerbuam“ sind berühmte Künstler hervorgegangen, von Anton Bruckner bis Kurt Azesberger, 1960 in Arnreit im Mühlviertel geboren, vom Florianer Altsolisten längst zum international gefeierten Tenor gereift.

Seit sechs Jahren ist Alois Mühlbacher, Jahrgang 1995, solistisches Aushängeschild des Chores. Er begeisterte schon an der Wiener Staatsoper und mit Auftritten rund um den Globus, hat Solo-CDs aufgenommen – und ist dabei der unkomplizierte Bub aus Hinterstoder geblieben. Schon als 12-Jähriger trat Alois  bei den Dreharbeiten für meinen Fernsehfilm „Vom Himmel hoch…“ so selbstsicher und gewandt auf, dass ich spontan beschloss, ihn diesen Film präsentieren zu lassen. Eine Entscheidung, die sich lohnte. Niemand ahnte damals, welch großartige Entwicklung er nehmen würde, die auch der Titel seiner ersten CD ausdrückt: „Alois – unerhört“.

In nächster Zeit widmen sich die St. Florianer Sängerknaben höchst unterschiedlichen Ausformungen des Linzer Musiklebens: Sie treten im Musikantenstadl auf (19. November, Tips-Arena) und sie wirken beim 35. „Zipfer Advent“ mit (27. November, Brucknerhaus, INFO: www.zipfer-advent.at).