“Alles Theater” – Amateurschauspieler im Sommertrainingslager

[112] OÖN 11. Juli 2013

„Alles Theater“ heißt es dieses Wochenende im Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels. Das gefällt uns, darin steckt schon etwas von der Mehrdeutigkeit, die das gute Bretterspiel auszeichnet. „Alles Theater“ ist im Streitgespräch einsetzbar („Ihre Beteuerungen sind durchschaut – alles Theater!“), der Anklang an Johann Strauß’ Formel „Alles Walzer“ macht den Ausdruck als Aufforderung begreifbar, und wer fände keine weitere Variante. „Alles Blech“ etwa könnte Blasmusiker zusammenrufen, hat jedoch im alten Sprachgebrauch sogar das Zeug zur Gesprächsdiagnose. Statt „So a Bledsinn“ sagten unsere wohl erzogenen Großeltern nur „Red koa Blech“. Das einleitende Ble– genügte.
„Alles Theater“. Dieses Sommerseminar wendet sich an alle dem Theater Verfallenen, geboten wird praktische Theaterarbeit in den „Fächern“ Regie, Sprache, Stimme und Improvisation. Die besondere Volkskultur-Note dabei: Neben Erfahrenen sind auch Anfänger willkommen. Gesamtleiter Gerhard Koller ist schließlich Präsident des „Bundesverbandes für außerberufliches Theater“ – nichts für Profis also, sondern für begeisterte Amateure. Oberösterreichs 250 Theatergruppen zählen 7000 Aktive, ein paar Dutzend von ihnen begeben sich nun ins sommerliche Intensivtraining.
Schwerpunktthemen sind „Rollenspiel“ mit Schauspieler/Regisseur Helmut Boldog, „Bewegungstheater” mit dem Theaterpädagogen Bernhard Paumann, „Figurentheater” mit Puppenspielerin Ruth Humer. Reizvolles „Improvisationstheater“: Zusammen mit Trainer Mike Koller werden Text und Handlung während des Spielens erfunden.
Einen auffälligen Akzent setzt Drama- und Theaterpädagogin Bernadette Wakolbinger-Pienz mit „Theater statt Gewalt”. Ihr Kurs gibt Einblick in die Methoden, die das „Theater der Unterdrückten“ des Brasilianers Augusto Boal weltberühmt gemacht haben. Dabei wird der Zuschauer vom passiven Betrachter zum Aktivisten, er wird in die Handlung eingebunden („Was würde ich in einer solchen Situation tun?“) und soll daraus für sein Leben lernen. Denn wer sich im Theater aus einer ihm zugewiesenen Rolle befreien könne, werde künftig auch im Alltag mutiger auftreten. Theater als politische Bildung.