Altweibersommer. Gespinst als Glücksbringer.

[34] OÖN 22. September 2011

„Des Dirndl is so grauslich, dass’s scho wieder was Bsundas is.“ Eine Designerin, die solches Urteil lächelnd hinnimmt, ist selbst außergewöhnlich. Allerdings verdient die Münchnerin Lola Paltinger mit ihren schrillen „Wiesn-Dirndln“  mehr als traditionelle Trachtengeschäfte. Das fördert ihre Gelassenheit. Weshalb taucht die schräge Trachten-Barbie aber in der Volkskultur-Kolumne auf? Das hängt – auf gedanklichen Umwegen – mit dem Altweibersommer zusammen, dessen Höhepunkt wir in diesen Tagen erleben werden.

Warum findet das Münchener Oktoberfest bereits jetzt statt? Weil Mitte September fast jedes Jahr stabiler Hochdruck für schönes Spätsommerwetter sorgt. Das erste Oktoberfest begann am 17. Oktober 1810. Um dem Herbstnebel und -regen auszuweichen, wurde der Termin so lange nach vorne verschoben, bis er heuer am 17. September angelangt ist. Bei Schönwetter kleiden sich die Damen gerne luftig und mit Lola auch lustig – oder zumindest halblustig.

Hauchdünne Fäden unzähliger winziger Baldachinspinnen glitzern um diese Jahreszeit in der Luft. „Von Nebel und Tau benetzt, erscheinen sie wie Perlschnüre, auf denen Kostbarkeiten aufgereiht sind“, schreibt Annelore Poljasevic. Vor rund 200 Jahren kam dafür die Bezeichnung Altweibersommer auf, angeblich ein poetischer Vergleich mit der späten Liebe reifer Frauen, eher stammt sie aber vom althochdeutschen Wort „weiben“ für das Knüpfen von Spinnweben.

Der Volksmund ist erfinderischer. Das zarte Gespinst taufte er Marienseide, Liebfrauenfäden oder Herbstgarn, da die Mutter Gottes um diese Zeit mit elftausend Jungfrauen das ganze Land mit Seide überspinne. In Schlesien dagegen, so berichtete mein von dort stammender Großvater, ziehe die Frau Holle als Spinnerin durchs Land, um nachzuschauen, ob die Mädchen fleißig handarbeiten. Jetzt hat sie ja noch Zeit dafür, die Tuchent muss sie erst später ausschütteln…

Häufig werden die frühherbstlichen Spinnfäden als Glücksbringer geschätzt. Wenn sie sich beim Spaziergang an die nackte Haut heften, sollen sie sogar Heilkräfte entwickeln. Deshalb werden auch mit dem Tau, der an ihnen hängt, kranke Augen benetzt. Und wenn sie sich in den Haaren einer jungen Frau verfangen, wird diese bald vor den Traualtar treten.

Erstaunlicherweise haben sich in einigen Sprachen fast gleichbedeutende Begriffe für den Altweibersommer entwickelt, etwa polnisch und russisch „Großmuttersommer“. Und in Newport, Rhode Island, Sommerresidenz des US-Geldadels, hörten wir voriges Jahr eine österreichische Blaskapelle beim „Original Oktoberfest“ im Indian Summer, wie die Zeit der herbstlichen Lautverfärbung dort heißt. Lolas bunter Aufzug hätte gut hingepasst.

Schließlich sei in Zeiten dräuender Töchterhymne darauf hingewiesen, dass kein einziges Wort diskriminierend gemeint ist. Klagen sinnlos. Denn einem dringenden Feststellungsbedürfnis abhelfend, erklärte ein deutsches Gericht bereits 1989, die Verwendung des Ausdrucks Altweibersommer sei kein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte älterer Damen.

Altweibersommer – altvaderisch vielleicht, doch liebevoll. 

„Des Dirndl is so grauslich, dass’s scho wieder was Bsundas is.“ Eine Designerin, die solches Urteil lächelnd hinnimmt, ist selbst außergewöhnlich. Allerdings verdient die Münchnerin Lola Paltinger mit ihren schrillen „Wiesn-Dirndln“  mehr als traditionelle Trachtengeschäfte. Das fördert ihre Gelassenheit. Weshalb taucht die schräge Trachten-Barbie aber in der Volkskultur-Kolumne auf? Das hängt – auf gedanklichen Umwegen – mit dem Altweibersommer zusammen, dessen Höhepunkt wir in diesen Tagen erleben werden.

Warum findet das Münchener Oktoberfest bereits jetzt statt? Weil Mitte September fast jedes Jahr stabiler Hochdruck für schönes Spätsommerwetter sorgt. Das erste Oktoberfest begann am 17. Oktober 1810. Um dem Herbstnebel und -regen auszuweichen, wurde der Termin so lange nach vorne verschoben, bis er heuer am 17. September angelangt ist. Bei Schönwetter kleiden sich die Damen gerne luftig und mit Lola auch lustig – oder zumindest halblustig.

Hauchdünne Fäden unzähliger winziger Baldachinspinnen glitzern um diese Jahreszeit in der Luft. „Von Nebel und Tau benetzt, erscheinen sie wie Perlschnüre, auf denen Kostbarkeiten aufgereiht sind“, schreibt Annelore Poljasevic. Vor rund 200 Jahren kam dafür die Bezeichnung Altweibersommer auf, angeblich ein poetischer Vergleich mit der späten Liebe reifer Frauen, eher stammt sie aber vom althochdeutschen Wort „weiben“ für das Knüpfen von Spinnweben.

Der Volksmund ist erfinderischer. Das zarte Gespinst taufte er Marienseide, Liebfrauenfäden oder Herbstgarn, da die Mutter Gottes um diese Zeit mit elftausend Jungfrauen das ganze Land mit Seide überspinne. In Schlesien dagegen, so berichtete mein von dort stammender Großvater, ziehe die Frau Holle als Spinnerin durchs Land, um nachzuschauen, ob die Mädchen fleißig handarbeiten. Jetzt hat sie ja noch Zeit dafür, die Tuchent muss sie erst später ausschütteln…

Häufig werden die frühherbstlichen Spinnfäden als Glücksbringer geschätzt. Wenn sie sich beim Spaziergang an die nackte Haut heften, sollen sie sogar Heilkräfte entwickeln. Deshalb werden auch mit dem Tau, der an ihnen hängt, kranke Augen benetzt. Und wenn sie sich in den Haaren einer jungen Frau verfangen, wird diese bald vor den Traualtar treten.

Erstaunlicherweise haben sich in einigen Sprachen fast gleichbedeutende Begriffe für den Altweibersommer entwickelt, etwa polnisch und russisch „Großmuttersommer“. Und in Newport, Rhode Island, Sommerresidenz des US-Geldadels, hörten wir voriges Jahr eine österreichische Blaskapelle beim „Original Oktoberfest“ im Indian Summer, wie die Zeit der herbstlichen Lautverfärbung dort heißt. Lolas bunter Aufzug hätte gut hingepasst.

Schließlich sei in Zeiten dräuender Töchterhymne darauf hingewiesen, dass kein einziges Wort diskriminierend gemeint ist. Klagen sinnlos. Denn einem dringenden Feststellungsbedürfnis abhelfend, erklärte ein deutsches Gericht bereits 1989, die Verwendung des Ausdrucks Altweibersommer sei kein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte älterer Damen.

Altweibersommer – altvaderisch vielleicht, doch liebevoll.