“Aushalter beim Rockasitz”: Mühlviertler Faschingsvergnügen

[91] OÖN 31. Jänner 2013

„Österreich rockt den Song Contest“ – aktueller Werbespruch mit nachsichtigem Lächeln als Folgewirkung, nach den Erfahrungen der letzten Jahre neigen wir zu „verbockt“ statt „rockt“.

„Oberösterreich rockt den Fasching“ – klingt zwar dämlich, entlockt jedoch niemandem ein hämisches Grinsen, verheißt Vorfreude auf köstliche Erlebnisse ohne Lei-lei und Promi-Peinlichkeit. „Rocken“ ist bei uns kein neudeutsches Modewort mit englischen Wurzeln.

Es war schon früheren Generationen ein Begriff, wenngleich in seiner historischen Bedeutung als Arbeitsgerät beim Spinnen. Bereits vor 1000 Jahren ist das althochdeutsche Wort „rocko“ schriftlich belegt. Noch heute kommen Frauen zur „Rockaroas“ zusammen, um beim gemeinsamen Spinnen den neuesten Dorftratsch auszutauschen, war zuletzt hier zu lesen.

Diesmal eine Besonderheit des Unteren Mühlviertels: der „Rockasitz“.  Vor allem in Gemeinden der Bezirke Perg und Freistadt bereiten sich Gruppen geselliger Menschen wochenlang auf den Rockasitz vor. Dieses Gemeinschaftserlebnis beginnt mit der Auswahl der Verkleidung: „Als was gemma heuer?“ Alle verkleiden sich so, dass sie als Gruppe erkennbar sind, etwa als Wallfahrer, als Schüler und Lehrer, Pfarrer und Ministranten, Straßenarbeiter, Krankenhauspersonal – die Fantasie kennt keine Grenze.

Ist die Maskierung so gut gelungen, dass niemand mehr erkennbar ist, zieht die Gruppe gemeinsam los zum Rockasitz, meist in einem eher urigen, abseits des Ortes gelegenen Wirtshaus, manchmal auch im leer stehenden Nebengebäude eines Bauernhofes. Dort feiern bereits die übrigen Gäste.

Sofort kommt es zum „Aushalter“ („halt’s aus!“ ist mühlviertlerisch für „macht’s Platz!“), der Tanzboden wird der ankommenden Gruppe  überlassen, alle umringen ihren Tanz und versuchen zu erraten, wer sich hinter den Masken verbirgt. Nach ihrem Auftritt demaskiert sich die ganze Gruppe, am Rockasitz entwickelt sich normales Ballvergnügen, bis zum nächsten „Aushalter“ gerufen wird, da wieder eine verkleidete Gruppe angekommen ist.

Auf einem besonders beliebten Rockasitz kann es zugehen wie auf der Stadtautobahn zur Stoßzeit: Stauwarnung! Wenn mehrere Gruppen beim Eingang auf ihren „Aushalter“ warten müssen, geht die Gaudi bereits unten los, etwa beim Stiegenaufgang zum Wirtshaussaal, bevor sie noch richtig angefangen hat…

INFO: „Rockasitz“ am 1. Februar in St. Georgen am Walde und Rechberg, am 2. Februar in Pabneukirchen und Münzbach.