Beim Folklore-Umzug wie beim Hochwasser: stets einsatzbereit

[107] OÖN 6. Juni 2013

Nachdem ich die Kolumne für diese Woche geschrieben hatte, nahm ich mir endlich Zeit für etwas vom Wichtigsten im Leben, das Pflegen alter Freundschaften. Ein paar Telefonate – danach „musste“ ich meinen Text ausdrucken, um ihn feierlich zerreißen zu können. Löschen reicht manchmal nicht, das wäre viel zu emotionslos. Hin und wieder ist händisches Vernichten angesagt.
Eben hatte ich mich wortreich darüber ausgelassen, wie gut es doch „Volkskultur-Pensionisten“ geht, die sich nur mehr um Enkel-, Konzert- und Arztbesuche,  Gartenpflege und Reiseplanung zu kümmern haben. Sie können sich leicht Zeit nehmen für ehrenamtliche Tätigkeiten, sonst würde ihnen doch eh nur fad. Dann kam das Hochwasser und schwemmte meine fertige Kolumne weg.

Mein erster Anruf erwischte K. in einem italienischen Gastgarten. „Etwas wärmer sollt’s halt sein“, suderte er, „jetzt hat’s nur 22 Grad“. Ich musste ihn bedauern.
„Keine Zeit“, beschied mir dann W., „blockiere bitte mein Handy nicht“. Er koordinierte den Hilfseinsatz der freiwilligen Helfer in einem dammlosen Dorf, wo noch die altbewährten Sandsäcke als Wasserwehr heranzuschleppen waren. An solchen Tagen kennt er kein Kreuzweh, selbst wenn er sich kaum mehr aufrichten kann.
Nach dem dritten Telefonat zerriss ich meinen ersten Text. „Es is zwar fürchterlich, aber uns geht’s eh net schlecht“, war die Diagnose von F., dem Unerschütterlichen. Seine geliebten Hendln – „die habn’s geahnt, waren schon ganz wiaflat, bevor d’ Flut da war“ – hat er in den ersten Stock übersiedelt. Das letzte Trockene an ihm ist sein Galgenhumor: „Im Erdgeschoß stehn d’Möbel bis zur Tischkantn im Wasser, aber die dersaufn eh net, und wann d’Tür zua is, schwimmen’s a net weg.“
Was machst du jetzt? „Dahoam kann i nix ausrichtn, solang ’s Wasser da is. I geh wieder.“ Wohin? „Na, wo werd i schon hingehn – zruck zum Feuerwehreinsatz. Wia alle andern.“ So sind sie, die Ehrenamtlichen, deren Einsatzbereitschaft schier keine Grenzen kennt, im Notfall wie an Festtagen, beim Folklore-Umzug wie beim Kampf gegen das Hochwasser.
F. ist übrigens ein hochrangiger Volkskultur-Funktionär.