Betörend und verführerisch: 20 Jahre Mollner Maultrommler

[68] OÖN 16. August 2012 

Wer Musik als sinnliches Erlebnis vermitteln kann, zieht die Zuhörer in seinen Bann. Den Rußmännern aus Molln gelingt das mit einer schier „unmöglichen“ Instrumentenpaarung, mit Maultrommel und Tuba. Ihre CDs bewirken bewunderndes Staunen, erst das Live-Erlebnis erzeugt jedoch jenes magische Gefühl, dem sich der Sensible alles vergessend hingeben kann. Gelegenheit dazu wird das Jubiläumsfest der Mollner Maultrommler bieten. Die seit 20 Jahren erfolgreiche Gruppe verdankt ihre Gründung dem Erkennen einer Marktlücke: In der breiten Vielfalt oberösterreichischer Volksmusik fehlte die traditionelle Maultrommel.

Schon als Kinder wachsen die Brüder Manfred und Robert Russmann in die Volksmusik hinein. Manfred (Jahrgang 1969) spielt Klarinette, Zither und Gitarre, Robert (1974) Tenorhorn und Tuba. Als sie Aufnahmen der Mittenwalder Maultrommler aus Bayern hören, beschließen sie: „So machen wir’s auch!“ Ihr persönlicher Ehrgeiz und die fast 400-jährige Maultrommeltradition ihres Heimatortes Molln erweisen sich als gutes Fundament. „Angelernt“ vom exzellenten bayerischen Maultrommlerspieler Günther Arnold, entwickeln sie in unzähligen Übungsstunden ihren eigenen Stil und improvisieren mit Freude. Gemeinsam mit Bassist Bernhard Bruckner und Gitarristin Brigitte Affenzeller schneiden sie beim Alpenländischen Volksmusikwettbewerb in Innsbruck mit ausgezeichnetem Erfolg ab – die Mollner Maultrommler werden zum Begriff. Als der Bassgeiger ausfällt, sorgt Robert Rußmann mit der Tuba für die tiefen Frequenzen und damit den neuen, charakteristischen Gesamtklang. Roberts feines, leises Tubaspiel und Manfreds vom Oberton bestimmte Maultrommel ergänzen sich perfekt. Weitere Besetzung heute: Herbert Walter (Gitarre, Zither), Volker Klein (Steirische Harmonika) und Christoph Köpf (Percussion, Obertonflöte).

In ihrer wechselvollen Geschichte wurde die Maultrommel höchst unterschiedlich bewertet, sie wurde als Konzertinstrument gefeiert und als „unsittlich“ verteufelt, 1856 sogar verboten, da ihr betörender Klang mithelfe, die Mädchen zu verführen. Maultrommelspieler stritten das auch gar nicht ab: „Znagst hab i mei Trommel zupft zwischen de Zähnt, da is glei mei Dirndl zum Fenster her grennt.“

Zum Fest „20 Jahre Mollner Maultrommler“, am 24. August ab 19 Uhr beim Hoisn-Haus, einer traditionsreichen Maultrommel-Produktionsstätte in Molln, locken neben der feiernden Gruppe auch ihr bayerischer Ex-Lehrer Günther Arnold, die Hausruck-Maultrommelmusik, Bernhard Hanreich aus Pram und das Mühlviertler Duo „Maul- und Trommelseuche“.