Bosheit in der Unruhnacht

[27] OÖN 9. Juni 2011

Is Pfingstn net weit,
ramt’s zamm, liabe Leit!

Dieser Zweizeiler, zugleich Aufforderung und Warnung, sollte in diesen Tagen ernst genommen werden. Wer jetzt die Mühe scheut, auf seinem Grundstück aufzuräumen, wird dafür zu Pfingsten noch viel mehr Arbeit haben. Denn in der bevorstehenden Unruhnacht – in manchen Gegenden von Samstag auf Sonntag, häufiger Sonntag auf Montag – gestattet es das Brauchtum, den Nachbarn handfeste Streiche zu spielen. Die traditionelle Bezeichnung „Pfingststehlen“ verrät es anschaulich: Alles, was nicht niet- und nagelfest unter Dach steht, wird heimlich weggetragen und versteckt oder, noch hinterhältiger, auf dem Kirchenplatz aufgetürmt. Von dort haben es die Schlampigen unter hämischem Beifall ihrer Mitmenschen abzuholen.
Ursprünglich sollten in der Unruhnacht die bösen Geister ausgetrieben werden. Daraus wurde die Bosheitsnacht, in der die sehr menschlichen Geister zunächst nur umherliegendes Graffl mitnahmen. Bald jedoch wurden ließen sie sich mehr einfallen. Grinsend erinnern sich mittlerweile älter gewordene Geister an ihre Pfingststreiche: Ein allzu stolzer Autobesitzer fand seine neue Karosse auf Ziegeln aufgebockt vor, die Räder lagen abholbereit beim Kirchentor. Ein achtlos abgestellter Fahrzeuganhänger wurde nachts zerlegt, in Einzelteilen auf das Dach eines Bauernhauses gehievt und oben wieder zusammengebaut. Und ein unbeliebter Mühlviertler Ortsgendarm musste am Pfingstmorgen aus einem Fenster im Erdgeschoss seines Hauses hüpfen, da die bösen Geister in der Unruhnacht seine Haustüre zugemauert hatten. Da konnte von Glück reden, wer bloß seine Gartenmöbel aus Baumkronen zu pflücken brauchte.

Unsere Lieblingsnachbarn können da kaum mithalten. Wie schrecklich brav sind doch deutsche Pfingstbräuche von Baumpflanzen bis Ochsenschmücken und Geißbockversteigern. Andererseits kennen sie kreatives Anbandeln mit „Birkenstecken“, wobei ein Junggeselle seiner Angebeteten als Liebeszeichen eine Birke an die Hauswand stellt.
Erwähnung verdient auch ein geruchsintensiver Brauch im Raum Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt): der Knoblauchsmittwoch. Nach dem ausgiebigen Schlemmen an den Pfingstfeiertagen soll man ja etwas für die Gesundheit tun. Man isst daher am darauffolgenden Mittwoch ausschließlich Knoblauch! Der amtierende Polizeipräsident ist Schirmherr des Knoblauchsfestes. Die Festtafel steht übrigens im Freien…

Bemerkenswert: Gesetzlicher Feiertag ist der Pfingstmontag nur in Österreich, Deutschland, Luxemburg, Ungarn, manchen Kantonen der Schweiz und Südtirol, nicht jedoch im übrigen Italien – und damit auch nicht im Vatikan.

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Am Pfingstsamstag, 14 Uhr feiern die Heimatvertriebenen im Volkshaus Marchtrenk ihren Erinnerungstag. „Damit bedanken wir uns beim Land Oberösterreich dafür, dass wir hier so gut aufgenommen wurden,“ erklärt Anton Ellmer, Landesobmann der Donauschwaben. Zeitzeugen, die die Vertreibung noch miterlebt haben, werden von ihren Nachkommen interviewt, dazu kommen Tanzeinlagen der Donauschwäbischen Trachtengruppe Pasching, es singt Donauschwabenchor Concordia aus Kitchener (Kanada).
INFO: www.donauschwaben-ooe.at