D’ Hörndln abstessn: Nikolaus, Krampus und Perchten

[39] OÖN 1. Dezember 2011

Eine Kerze auf dem Adventkranz haben wir schon angezündet, bald kommen also Nikolaus und Krampus, der Belohnende und der Abschreckende. Wer sie als Kind mit klopfendem Herzen erwartet hat, wird sie wohl nie vergessen. In früheren Jahren fragte niemand, ob der Krampus den Kindern schädliche Angst einflößen könnte.
Ein kleiner Krampus der fünfziger Jahre erinnert sich: „Ich fürchtete mich selbst mehr als all jene, denen ich – mit verschlissener Verkleidung und im Wilderer-Look geschwärztem Gesicht – eigentlich Schrecken einjagen wollte. Wo hätten wir Kinder denn auch richtige Larven hernehmen sollen?“
So scheiterte die frühe Krampus-Karriere am Lachen der zu Schreckenden. Mit volkskultureller Tradition hatte diese Art des Nikolaus- und Krampus-Seins nichts zu tun. Der Krampus als schiacher Begleiter des Heiligen Nikolaus gehörte einfach dazu. Der Gute lobte und mahnte freundlich, der Böse warnte mit Rute und Rasselkette vor Ungehorsam und Strafe.
Trotzdem richtete er im kleinen Mühlviertler Buben keinen psychischen Schaden an. Denn der Krampus war dem Nikolaus untertan, der Heilige konnte selbst den Teufel bannen – ein Lehrstück mit der Rückversicherung, dass das Gute siegt. Heutzutage haben sie es nicht mehr so leicht, die beiden Hauptgestalten um den 5./6. Dezember.
„Sie müssen sich durch lautstarke Perchtengruppen mühsam den Weg zu den Kindern bahnen“, schreibt Volkskultur-Spezialist Alexander Jalkotzy pointiert. Das Perchtenbrauchtum hat zwar in Oberösterreich keine Tradition. Doch im Event-Zeitalter ist es Mode geworden, Perchten aufmarschieren zu lassen. Möglichst viele, möglichst laut! Und das im Advent, der Zeit der Stille und der Vorfreude.
Freilich ist Realismus angebracht: Dieses Rad werden wir nicht mehr zurückdrehen. Eine künftige Verschmelzung heimischer und fremder Bräuche kann wieder zu gemeinsamem Erlebnis führen. „Ihr werdt’s euch d’Hörndln schon noch absteßn“, bekamen wir früher zu hören. Es wird auch für die im Brauchtum Gehörnten zutreffen. Es gibt ja gemeinsame Wurzeln.
Zu Beginn der dunklen, einst bedrohlichen Jahreszeit ziehen überirdische Gestalten als personifizierte gute und böse Mächte durch das Land. Bei uns stellte die katholische Kirche, dem Prinzip von Belohnung und Bestrafung huldigend, dem Heiligen Nikolaus deshalb den Krampus als bösen Gesell an die Seite. Er gebärdet sich zwar wild, muss jedoch dem Nikolaus gehorchen.
Die Perchten stammen aus Salzburg und Tirol.  Diese “Mittwinter-Gestalten” treten im Zeitraum der vier Raunächte auf, vom 21. Dezember bis zum 5./6. Jänner. Dem Gegensatz von Gut und Böse, Nikolaus und Krampus, entsprechen die Schönperchten und die Schiachperchten. Charakteristikum der Schiachperchten ist die große, fratzenhafte Maske mit Hörnern. Die Schönperchten dagegen tragen bis zu 40 kg schwere, meterhohe Aufsätze mit Spiegeln und künstlerisch gestaltetem Schmuck auf dem Kopf.
Fast wie die Glöckler im Salzkammergut! Haben wir sie damit als entfernte Verwandte entlarvt, lassen wir sie halt auch bei uns mitmischen. Wer kann sich seine Sippe schon aussuchen?

TIPP:  Die Akademie der Volkskultur veranstaltet heute (1. Dezember) eine Diskussion zu diesem Themenkreis mit Prof. Ulla Kammerhofer-Aggermann (Leiterin des Salzburger Instituts für Volkskunde), Magdalena Söllner (Bildungsreferentin Kath. Jungschar Diözese Linz), Moderator Franz Gumpenberger, Beginn 19 Uhr, Pfarrzentrum Thalheim bei Wels, Eintritt frei.