“Da kloane Prinz” wird 70 – Mairingers Lust am Spiel mit der Sprache

[100] OÖN 4. April 2013

„Der kleine Prinz und ich werden 70.“  Lächelnd stellt Hans-Dieter Mairinger, geboren am 12. April 1943 in Linz, diese Altersparallele in den Raum. Mit dem kleinen Prinzen – Antoine de Saint-Exupérys Buch erschien sechs Tage vor Mairingers Geburt – verbindet ihn sehr viel, den Schriftsteller und Soziologie-Professor, der so sanft auftritt und seine kritische Sicht des Lebens am liebsten in Metaphern kleidet.
Mairingers schriftstellerische Inspiration nährte sich aus höchst unterschiedlichen Quellen: Ein Deutschlehrer weckte seine Begeisterung für Literatur, Christine Nöstlingers Mundartgedichte hörte er im Radio, H. C. Artmanns „med ana schwoazzn dintn“ faszinierte ihn: „Diese Farbigkeit der Mundartdichtung! Das wollte ich auch probieren, so habe ich die Lust am Spiel mit der Sprache entdeckt.“ Seine Freude am Schreiben gebiert Lyrik und Prosa, Dramen, Satiren, in Hochsprache und Mundart.
„Die Mundart bietet mir bessere Möglichkeiten, mich auszudrücken, sie ist viel direkter und emotionaler“, sagt Mairinger. „Ich beginne einen Text, weil ich eine Zeile im Kopf habe oder ein Wortspiel,  und bin selber gespannt, wie es ausgehen wird.“ Und wenn etwas nicht gut gelingt? „Dann hau i’s dauni, dann versumpert’s in a Schublad.“ Jetzt hört man wieder, dass der Herr Professor – auch mit 70 lehrt er noch an der Pädagogischen Hochschule – viele Jahre im Mühlviertel (Perg, Münzbach, St. Georgen/Gusen) verbracht hat. An seine Verbundenheit mit der Vielfalt des Lebens in Oberösterreich erinnern Gedichtesammlungen wie „Gschrappn, Gfrießer, Gfraßter“, „Es is a Gfrett“, „Ischlakrapfal und Zaunakipfal“, „Mir san mir“…
Hans-Dieter Mairingers Zusammenarbeit mit Komponisten wie Fridolin Dallinger und Balduin Sulzer lässt Texte für Lieder, Messen, Kantaten, Kindermusicals entstehen, außerdem überträgt er literarische Werke in die Mundart.  Da durfte „Da kloane Prinz“ nicht fehlen: „Es ist mein Lebensbuch.“

Haben der kleine Prinz und sein Mundartautor etwas gemeinsam? „Sicher. Auch ich suche nach dem Schlüssel zum Leben, setze mich kritisch mit den Verirrungen des Lebens auseinander.“  Und hat er den Schlüssel gefunden? Mairinger lacht: „Ich finde nie etwas. Bestenfalls bei manchen Gedichten einen Schlussgedanken, über den ich mich freue, andererseits lese ich oft ein gutes Gedicht und bedaure, dass es nicht von mir ist.“

TIPP: Mundartlesung Hans-Dieter Mairinger am Freitag, 12. April, 19 Uhr, im Schulzentrum Luftenberg.