Das 13er-Jahr verlangt nach ausgefallenen Einfällen

[88] OÖN 10. Jänner 2013

2013 – keine Jahreszahl für Abergläubische. Hätten wir deshalb gleich auf 2014 springen sollen?

In Hotels vieler asiatischer Länder lassen sie das gesamte 13. Stockwerk aus und in jedem Stock die Zimmernummer 13, denn dort würde niemand einziehen. Nicht nur in US-Flugzeugen gibt es keine 13. Sitzreihe, erst vorige Woche saßen wir in einem spanischen Flieger auf den Plätzen 14 A und 14 B, direkt hinter der 12. Reihe. Denn 13 gilt als „Dutzend des Teufels“! Andererseits vermittelt Freitag, der 17. Italienern ein mulmiges Gefühl. Verschiedene Kulturen – unterschiedliche Einstellung zu Zahlen. Heuer müsste man übrigens Japaner sein, bei ihnen bedeutet 13 nämlich Glück. Daran wollen wir uns 2013 orientieren.

In diesem Jahr mit Schi-Weltmeisterschaft und mehreren Wahlen, Musiktheater-Eröffnung und Fußball-WM-Qualifikation ist der Großteil medialer Aufmerksamkeit bereits im Vorhinein vergeben, die Volkskultur wird es nicht leicht haben in der öffentlichen Wahrnehmung. Sie wird bewusst Akzente setzen müssen, um nicht auf die Rolle als schmückendes Beiwerk beschränkt zu werden, etwa Blasmusik-Aufmärsche bei Wahlkampfveranstaltungen und Siegerehrungen. Einige Verbände tüfteln deshalb an möglichst publikumswirksamen Ideen. Wer sich Ausgefallenes einfallen lässt, wird mit Aufmerksamkeit belohnt.

Im abgelaufenen Jahr ist das sehr oft gelungen: Vom Mini-Dramen-Wettbewerb „Tisch mir deine Geschichte auf“ der oö. Amateurtheater über das große „Fest der Volkskultur“ in Kopfing bis zum Jubiläumsfest für „’s Hoamátgsang“ als Landeshymne – prägende Ereignisse im Kulturjahr 2012.

Für hitzige Diskussionen hat so manche dieser OÖN-Kolumnen gesorgt. Die These „Wer Mundart und Hochdeutsch spricht, lernt leichter Fremdsprachen“ erntete alles zwischen erboster Ablehnung und begeisterter Zustimmung. Das „Loblied auf die Schrägen und Mutigen – besser frech als brav“ ließ die Angepassten nach Luft schnappen. Geradezu erschüttert gaben sich Puristen nach der Offenbarung, dass auch Volksmusik in Film und Fernsehen mit Hilfe von Playback aufgenommen wird. Playback sogar bei unseren geliebten, schönen Sepp-Forcher-Sendungen? Ja, denn sonst wären sie nicht so schön!

Ich verspreche, mich im 13er-Jahr weiterhin an das Motto meiner Einstiegskolumne im Mai 2010 zu halten: „Kein Vorgaukeln einer heilen Welt“. Und ich erinnere an die Schlussfolgerung einer Vorjahrskolumne, gleichsam mein „ceterum censeo“: Die Volkskultur braucht ständige Erneuerung, wenngleich nicht so dringend wie die Politik.