Das Jesuskind soll weich liegen auf der langen Reise

[130] OÖN 21. November 2013

Wir können’s heute kaum glauben: Vor 229 Jahren, am 22. November 1784, wurde das öffentliche Aufstellen von Weihnachtskrippen verboten. Wem trauen wir ein solches Verbot am ehesten zu? Einem Mufti oder Ayatollah, jedenfalls einem Christenfeind. Es war aber Hieronymus Graf von Colloredo, Fürsterzbischof von Salzburg, auf dessen Mist dieses Verbot gewachsen war. Zwar hatten schon Kaiserin Maria Theresia und Josef II. alle Krippen aus Kirchen und öffentlichen Gebäuden verbannt. Der Erzbischof jedoch hatte die Autorität des Kirchenmannes, jetzt sollten sich auch die Gläubigen von den Krippen trennen. Das Gegenteil trat ein. Überall begannen die Menschen, Krippen zu basteln und daheim aufzustellen.
Auch er hätte ein Verbot missachtet: Wilhelm Pils, 62, pensionierter Volksschuldirektor von Steinbach an der Steyr, hat eine riesige Sammlung zusammengetragen, 550 Krippen aus 100 Ländern aller Kontinente, und jedes Jahr kommen etwa zwanzig weitere dazu. „Für mich ist das eine ethnologische Sammlung“, betont er. Ihn fasziniere „alles, was von weit weg zu mir kommt. Es muss keine Krippe sein, es könnte auch ein anderes handgefertigtes Werkstück sein.“ Willi Pils betrachtet ein Sammlungsobjekt und stellt sich dabei vor, wie der Schnitzer in Papua-Neuguinea diese Krippe fertigt, in der die Muttergottes fehlt. Ein Zugeständnis an die Tradition seines Kulturraumes, wo es keine Frauendarstellung gebe, daher auch keine Maria in der Weihnachtskrippe.
Einen anderen Künstler sieht er am tansanischen Ufer des Tanganjikasees sitzen, wie er die Weihnachtskrippe als meterlanges Boot gestaltet, in dem sich die heilige Familie über den See bringen lässt. Als Ruderer legen sich Vertreter der typischen Berufe des Landes in die Riemen. Ein Missionar hatte diese Krippe mitgebracht. Als er Steinbacher Schulkinder um ihrer Meinung dazu fragte, sagte ein Bub: „Man sieht, die halten alle zusammen.“
Und ein Maya-Indio aus Guatemala bestand darauf, in seiner Krippe aus Balsaholz auch Moos mitzugeben, „denn ich schicke das Jesuskind nicht auf die lange Reise, ohne dass es weich liegt“. So werden mit den Krippen auch berührendste Anekdoten überbracht. Willi Pils, der übrigens sogar selbst als deutlich erkennbare Krippenfigur auftaucht, erzählt die Krippengeschichten mit der Hingabe des Begeisterten.

info: Krippenausstellungen in OÖ: ab 23.11. St. Florian (Sumerauerhof), Gmunden, 24.11. Hirschbach, Reichraming, 27.11. Steinbach/Steyr, 28.11. Ried/I., 29.11. Bad Ischl, Steyr, Vöcklabruck, 30.11. Altenhof, Garsten, Großraming. Übersicht: www.ooe-landeskrippenverband.at

Fotos: Oskar Teichmann