Der g’scheiteste Preis, den man für Volksmusik vergeben kann

[76] OÖN 11. Oktober 2012

Es begab sich bei einer Orchesterreise durch Asien: Ein oö. Flötist fragte einen Wiener Kollegen, ob er einen Teppich in dessen Kontrabass-Kasten nach Österreich schmuggeln dürfe. Mit gebrummter Gegenfrage wurde das Ansinnen abgeschmettert: „Wieso glaubt ausgerechnet a g’scherter Flötist, dass a Bassist und Zöllner depperter san wia er?“
Das Hobby des Flötisten mit dem Teppich führt uns zur Volksmusik. Er bläst nämlich auch in seiner Freizeit, und zwar die Seitlpfeife, die wegen ihrer Handlichkeit zu den „Hosensackinstrumenten“ gezählte, ländliche Verwandte der noblen Querflöte. Mit ihr könnte er nun sogar wettkämpfend antreten: Im Rahmen der Rieder Musikmesse „Music Austria“ wird erstmals ein Wettbewerb für Volksmusikgruppen der Landesmusikschulen durchgeführt.
Traditionelle Volksmusikanten lehnten Wettbewerbe lange Zeit ab, „weil’s bei uns nicht um Fertigkeiten geht, nicht um musikalische Technik, sondern um Ausdruck, Begeisterung, Authentizität“. Solche Argumente hörten wir noch, als sich längst der Alpenländische Volksmusikwettbewerb in Innsbruck zum anerkannten Podium für die besten Nachwuchsgruppen entwickelt hatte. Dort sind nicht „Top Ten“-Platzierungen das ersehnte Ziel, sondern verbale Beurteilungen. Ein „Ausgezeichnet“ in Innsbruck gilt als volksmusikalischer Ritterschlag.
Nur Qualität zählt, nicht der Rang in einer Ergebnisliste. Deshalb wird auch die vierköpfige Rieder Jury – darunter Volksmusik-Doyen Volker Derschmidt – die Musikgruppen nach solchen Kriterien beurteilen: Tempo, Ausdruck, Artikulation… Da die Teilnehmer aus allen Landesteilen kommen, wird das Publikum die  Vielfalt regional unterschiedlicher Spiel- und Stilarten erleben, von Tanzlmusi in Streich- und Blasbesetzung, Saitenmusik, Drei- oder Viergesang bis zu „Hosensackinstrumenten“ wie Seitlpfeife und Maultrommel. Selbstverständlich auswendig.
Für die Besten hat sich das Landesmusikschulwerk einen zukunftsträchtigen Förderpreis ausgedacht: Es finanziert ihnen ein Weiterbildungsseminar ihrer Wahl – der g’scheiteste Preis, den man vergeben kann!