Die im Stillen wirken: Heimatforscher schreiben die Geschichte um

[108] OÖN 13. Juni 2013

Eleganz im Tanz, Schönheit in Tracht, Klangfülle in Musik und Dichtung – viele Sparten der Volkskultur bestechen durch auffällige Aktivitäten. Andere wirken im Stillen. Die Regional- und Heimatforscher etwa, deren Jahrestagung am Samstag in Schenkenfelden sich um eine historische Persönlichkeit aus dieser Gemeinde drehen wird.

Einer Mühlviertler Bauern- und Weber-Familie, deren Vorfahren aus der Ortschaft Harruck (Gemeinde Waldburg) nach Schenkenfelden gezogen waren, wurde am 25. März 1664 ein Sohn geboren, Johann Georg, der spätere Freiherr von Harruckern. Als Weggefährte Prinz Eugens entwickelte er ein Heeresversorgungssystem. Er wurde Hofkammerrat, Reichsritter und Obergespan (Bezirksvorsteher) des ungarischen Komitats Békés, baute die Festung Arad, vergaß aber auch seinen Heimatort nicht. In Schenkenfelden ließ er vom berühmten Linzer Barockbaumeister Michael Prunner den Kalvarienberg mit 14 Kreuzwegstationen errichten.

Der Lebensweg des landläufig einfach Harrucker genannten Aufsteigers gehört seit Generationen zum Schenkenfeldener Heimatkunde-Unterricht, allerdings in Form einer Legende, die jüngsten Forschungsergebnissen nicht standhält. Diese verdanken wir dem früheren oö. Volksbildungswerk-Obmann Hans Pammer aus Hirschbach. „Ich hab’ die achtklassige Volksschule Schenkenfelden besucht, dort hat uns jedes Jahr ein anderer Lehrer etwas anderes über Harrucker erzählt“, berichtet Pammer. Jahrzehnte später spielte er als Mitglied einer Blaskapelle bei der Einweihung eines Harrucker-Denkmals  in Ungarn. Dort wurden ihm die großen Leistungen dieses Mannes erst bewusst. Nach intensiver Harrucker-Forschung legt er nun ein Buch vor, das die Geschichte des berühmtesten Schenkenfeldeners neu schreibt.

Der kleine Johann Georg wurde nicht in Enns erzogen, wie bisher angenommen, sondern von einem Onkel in Reichenthal, dem dortigen Pfarrer. Als 14-Jährigen schickte ihn seine Mutter, eine Hohenfurtherin, zur Weiterbildung nach Mähren, wo ein weiterer Onkel die Güter des Grafen Sereny verwaltete. Später durfte er die Söhne des Grafen auf ihren „Kavaliersreisen“ durch Europa begleiten, von Holland bis Malta, und schließlich an der Universität Wien Jus und Philosophie studieren. Eine große Karriere begann. Die tatsächlichen Hintergründe wären ohne moderne Heimatforschung nicht ergründet worden. (Foto Freiherr von Harruckern, 1664-1742: Andreas Wimmer)

INFO: Samstag, 15.6., Schenkenfelden: 9.30 Uhr Heimatforschertagung, anschl. Führungen, 20 Uhr Buchpräsentation Johann Pammer: „Die Erfolgsgeschichte des Johann Georg Freiherr von Harruckern – Vom Mühlviertler Bauernbuben zum ungarischen Magnaten“, Eigenverlag Tourismusverband, € 29,90.