Druckt’s di wo, sing di froh

[37] OÖN 28. Oktober 2011

So gesund kann es im Wirtshaus sein. Vor vielen Jahren war es selbstverständlich, dass im Wirtshaus spontan gesungen wurde. An den Wänden hingen keine Fernsehgeräte, niemand telefonierte; die Menschen unterhielten sich miteinander, diskutierten, spielten, sangen. Sie wussten sich zu unterhalten. Diese alte Wirtshauskultur ist fast ausgestorben. 
Einen Mühlviertler Musikanten und Musik- lehrer, Toni Pichler aus Bad Leonfelden, stimmte das nostalgisch, fast traurig. Denn er hatte es in seiner Jugend noch erlebt, dass alle Menschen die gängigsten Liedertexte auswendig konnten und in den Dorfwirts- häusern miteinander sangen.
Auslöser für Toni Pichlers Musikinteresse war vor einem halben Jahrhundert ein Briefträger, der Zwirtmayr Sepp. Er verteilte in den Dörfern seines Postrayons sogar einige Harmonikas, damit immer jemand musizieren konnte. Auch er selbst spielte bei jedem denkbaren Anlass vom Nageltanz bis zum Sauschädelessen. Der junge Pichler Toni saß stundenlang beim ihm, hörte zu, beobachtete – und durfte später sogar mitspielen.

In den achtziger Jahren begann Toni, alte Lieder zu sammeln, fand in der Mundartdichterin Maria Gilhofer und in Siegfried Wartner eifrige Mitstreiter. Mit vorerst wenigen Leuten begannen sie wieder in Gaststätten zu singen. Sie besuchten sangesfreudige Leute, ließen sich Lieder vorsingen, nahmen sie auf, setzten sie in Noten und überarbeiteten die Texte. So entstand ihr Liederbuch „Lieder aus dem Mühlviertel“.

Mit kleinen Ensembles zieht Toni Pichler schon jahrelang zu Singnachmittagen durch das ganze Mühlviertel. Herbert Mitter von der ausgezeichneten Familienmusik Mitter aus Vorderweißenbach legte ihm einen Volksmusik-Frühschoppen nahe. Daraus wurde der „Nachmittagsschoppen“ jeden ersten Sonntag im Monat im Gasthof Haudum in Helfenberg und jeden dritten Sonntag beim Kräuterwirt Dunzinger in Guttenbrunn bei Hirschbach. Toni Pichler bringt Gesangs- und Musikgruppen mit und bindet auch die Besucher ein, sie können mit- und vorsingen, Mundartgedichte vortragen,  Witze erzählen und Gstanzl singen.

Beim Wirtshaussingen ist kein Eintritt zu bezahlen. Freiwillige Spenden werden zur Aufwandsentschädigung für die angereisten Musikanten, Essen und Getränke stellen die Wirte zur Verfügung. Diese organisierte Wirtshausmusi bewährt sich, wenn schon nicht mehr spontan g’sungen und g’spielt wird. Unermüdlich verweist der Epigone des Zwirtmayr Sepp auf die Kraft des Singens als Lebenselixier:  „Drückt’s dich wo, sing dich froh“, sagte einst der Volksmund. Und medizinische Studien bestätigen: Regelmäßiges Singen fördert die Gesundheit. „Wer täglich singt, dass alles schallt, wird 99 Jahre alt“. Denn ein Lied kann Freude bereiten und Trost spenden, mit einem bissigen Gstanzl kann man sich wehren und mit einem herzhaften Jodler sein Glücksgefühl ausdrücken. Ein singender Mensch ist nie sprachlos.

Tipps für gemeinsames Singen: 
- „Lieder aus dem Mühlviertel“: 5. November, 14 Uhr, Putzleinsdorf, Gh. Ranetbauer.
- „A lustige Eicht“: 6. November, 16 Uhr, Helfenberg, Gh. Haudum.
- „Wirtshauskultur anno dazumal“: 20. November, 16 Uhr, Guttenbrunn/Hirschbach, Gh. Dunzinger.