Ebenseer Osterkrippe: Ogottogott statt Halleluja

[48] OÖN 23. März 2012 

Fastenzeit, von der Idee her Wochen der Askese. Wir enthalten uns fleischlichen Genusses wie auch großer religiöser Symbole. In einem Ebenseer Haus, beim „Schnabler“, gut aufgehoben hinter engen Gassenwindungen, fällt sogar jetzt eine Krippe auf: Oben Gott Vater, er steht statt zu thronen, unten liegt sein Sohn.
Dieser Jesus schaut nicht mit fröhlichen Babyaugen in die Welt, Jesus ist tot. Nicht Ochs und Esel bestaunen ihn, händeringende Klageweiber trauern. Und die Engel, sonst immer zum Jubilieren engagiert, haben sich aufs Beten verlegt – Ogottogott statt Halleluja. Jesus liegt in einer Osterkrippe. Geformt haben sie die begabten Hände des Ebenseers Paul Kern, einem einzigen Stück Lindenholz abgerungen. Herberge gibt ihr der 82-jährige Hans Gaigg, nicht gerade der einzige dieses Namens in Ebensee, unterscheidbar am Hausnamen: „der Schnabler“.
Hans Gaigg zählt zu den Weitgereisten, sein Haus hütet Erinnerungsstücke aus Ländern aller Weltgegenden. Auch im eigenen Land hat er häufig Kurzzeitwurzeln geschlagen, als Volks- und Hauptschullehrer unterrichtete er an 15 verschiedenen Dienstorten in Oberösterreich. Der Schnabler ist ein Sammler, seine Osterkrippe liebt er ganz besonders: „Warum sollte ich sie jetzt noch nicht aufstellen, nur weil Fastenzeit ist? Meine Freude daran ist meine Art der Vorbereitung auf Ostern.“
Jesus taucht in dieser Krippe zweimal auf, im Grab liegend und, darüber, als Auferstandener. Wie sein Vater weiter oben hält er eine Siegesstandarte in der Hand, und er sieht ihm sehr ähnlich. Das kommt nur in den besten Familien vor.

Passionskrippen haben Tradition, wurden aber nie populär. Realistisch gestaltete Figuren – Judas etwa hat sich aus Reue über seinen Verrat erhängt und baumelt nun am Strick vom Ast – wirkten abschreckend. Im Krippenwettkampf um die Gunst der Gläubigen konnte das Szenario von Leiden und Tod mit der freudvollen Weihnachtsgeschichte nicht mithalten. Trotz Auferstehung. Wer holt sich schon das Traurige ins Haus?

Foto: Klaus Huber