Ein Fest für alle Sinne

[9] OÖN 16. September 2010
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Sie ist keine übrig gebliebene Kultur aus dem Museum der Erinnerung: Längst hat der „Familienname“ Volkskultur den Beigeschmack abgestreift, der ihr jahrzehntelang die Anerkennung vermasselte. Der Überbegriff Volkskultur entstand im späten 19. Jahrhundert als Bezeichnung einer „regional verankerten, vorwiegend bäuerlichen und handwerklichen Kulturform, die neben der Festtagskultur und dem Brauchtum im Leben und im Jahreslauf, landschaftsgebundenen Trachten etc. auch mündlich tradierte Kommunikations- und Geselligkeitsformen (Märchen, Sagen, Volksmusik, Volkslied, Volkstanz, Volksschauspiel) umfasst“.
Diese Definition des Bundesministeriums für Unterreicht, Kunst und Kultur geht einher mit der Feststellung: „Heute versteht man Volkskultur auch als Teil der städtischen Alltagskultur.“ Die selbstbewusst angestrebte Wertschätzung ist erreicht. Auch das gilt es zu feiern, vor allem jedoch die eigene Vielfalt, das wohltuende Gefühl des Miteinander, dem die erstaunliche Unterschiedlichkeit nichts anhaben kann. Auf den ersten Blick haben sie ja gar nichts gemeinsam: Prangerschützen und Lichtbildner, Kleindenkmalforscher und Bürgergarden, Schauspieler und Heimatvertriebene. Gerade deshalb ist es so erfreulich, dass sie sich im OÖ. Forum Volkskultur zusammengeschlossen haben und bei einem großen gemeinsamen Fest ihre Leistungen präsentieren, ihre Leidenschaft für kulturelle Betätigung ausleben. Dadurch wird das „Fest der Volkskultur“ zum Fest für alle Sinne. Es lässt Mitwirkende und Besucher zu einer großen Gruppe verschmelzen.
Vor 15 Jahren organisierte Hans Samhaber, Galionsfigur der oö. Volkskultur, dieses Fest zum ersten Mal. In seiner Heimatgemeinde St. Marienkirchen am Hausruck machte er jedes bespielbare Fleckerl zum Volkskultur-Schauplatz. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen. Im Jahr darauf konnte ich schon einen Fernsehfilm über das Fest der Volkskultur in St. Marienkirchen drehen. Seither bewerben sich viele Gemeinden im ganzen Land um die Auszeichnung, das nun im Zweijahresrhythmus durchgeführte Fest ausrichten zu dürfen. Laussa, Wallern und Hirschbach bewährten sich, es folgten Andorf, Steinhaus, Bad Goisern, heuer schließlich Kirchberg ob der Donau: 21 km² groß, 1.100 Einwohner, 18 Ortschaften in zauberhafter Landschaft. Das Mühlviertler Plateau fällt hier steil ab zur Großen und Kleinen Mühl, zur Donau.
Von Freitag, 17. bis Sonntag, 19. September bietet das Fest der Volkskultur in Kirchberg ob der Donau ein umfangreiches Programm aus allen Sparten bodenständiger Kultur: Musik und Tanz, Fotografie und Mundartdichtung, Trachtler, Vogelfänger und Goldhaubenfrauen sind dabei. „Zum Glück“, befand einer der Verbandsobleute schmunzelnd, „weit mehr fesche Frauen als schiache Mander“.
 
2012 wird die Volkskultur übrigens den Sauwald erobern: Das nächste Fest findet in Kopfing statt.
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