Ein Kulturbesessener mit Bodenhaftung

[53] OÖN 3. Mai 2012 (Neufassung eines Wortgarten-Artikels)
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Wer ein Faktotum hat, kann beruhigt schlafen. Denn ein Faktotum – lateinisch für „tu alles!“ – nimmt sich um jedes Problem an, erledigt statt zu delegieren. Im Mühlviertel freut sich eine ganze Gemeinde über ein Faktotum: Der Mann heißt Robert Schöffl, ist 63 und lebt in Neußerling, Gemeinde Herzogsdorf.

Schon als 19-Jähriger wurde er Organist seines Heimatortes. Damit begann das vielfältige Kulturleben eines Mannes mit scheinbar unerschöpflicher Energie. Die Bodenhaftung hat der leidenschaftliche Nebenerwerbs-Biolandwirt nie verloren: „Am liebsten fahre ich mit einem alten Traktor in den Wald und arbeite in der guten Luft. Eigenes Brennholz zu machen, lohnt sich ja wieder.“ Den Sträucher- und Baumlehrpfad hat auch er angelegt.
Zum Kultur-Multi wurde der pensionierte Gemeindebedienstete, weil ihn die Gestaltungsmöglichkeiten reizten und weil er immer für andere einsprang: „Hat einer aufgehört, hab ich’s übernommen.“  So wurde er Obmann der Landjugend, Bassist im Kirchenchor, Gründungsmitglied Sportunion, Leiter Volkstanz- und Theatergruppe, Feuerwehrmann, Leiter Volksbildungswerk, Vorsitzender Pfarrgemeinderat, Gemeinde-Kulturreferent, Büchereileiter, Obmann Sparverein, Rot-Kreuz-Sanitäter und -Kraftfahrer, Vorstand Seniorenbund, Vorstand Kulturszene Herzogsdorf, Kassier „Kunst und Handwerksstraße“, Orts- und Kirchenchronist, Rechnungsprüfer Stelzhamerbund. Es gilt die Unvollständigkeitsvermutung.

Robert Schöffl schmunzelt zufrieden, wenn er aus seinem Leben erzählt. „In der Kirche kann es schon vorkommen, dass der Pfarrer zur Orgel hinaufruft, welches Lied ich spielen soll. Das tu ich sofort, ich muss ja keine Noten suchen, weil ich alles nach dem Gehör spiele.“
Vielen Kirchenbesuchern habe es das Marienlied „Geleite durch die Wellen“ besonders angetan. „Wenn ich das spiele, bekomme ich von manchen extra ein Viertel Wein im Wirtshaus“, freut er sich, „dieses Lied hat mir schon viele Viertel beschert.“ Seit 1968 ist Schöffl Organist. Und wenn er einmal ausfiel? „Dann sind einige statt in die Kirche gleich ins Wirtshaus gegangen.“

TIPP: Robert Schöffl spielt Orgel bei der „Maiandacht der Volkskultur“ am Sonntag, 6. Mai, 15 Uhr in der Pöstlingberg-Basilika.

Bild: Robert Schöffl an der Orgel der Pöstlingberg-Basilika bei der Maiandacht 2011. Foto: Klaus Huber