Eine Akademie auf Rädern

[15] OÖN 9. Dezember 2010

Sie wollen nicht jedes Mal in die Landeshauptstadt fahren, um einen Fortbildungskurs zu besuchen? In der Volkskultur kein Problem! Die Kursleiter kommen zu Ihnen, wenn sich mindestens fünf Teilnehmer angemeldet haben, und sogar den Wunschtermin können Sie aussuchen. „AVK auf Rädern“ nennt sich dieses Angebot. Die oberösterreichische „Akademie der Volkskultur“ kümmert sich damit um die Regionen, wo die Volkskultur gelebt wird. Ihre Angebote reichen von Digitalfotografie und Fotobearbeitung, Erstellen der eigenen Homepage, Rhetorik und Konfliktlösung bis zu Veranstaltungsmanagement, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.
Mit all dem kommt sie jetzt schon auf Rädern daher, die AVK, dabei wurde sie erst vor etwa einem Jahrzehnt auf die Beine gestellt.
Am Anfang stand ein Problem: Wie können wir den vielen Eifrigen ohne Fachausbildung das nötige Rüstzeug verschaffen, das sie zu erfolgreichen Heimatforschern werden lässt? Wie lernen sie, ohne lange Umwege alte Dokumente zu finden und historische Quellen anzuzapfen, damit sie die Geschichte ihrer Gemeinde umfassend darstellen können? Diese Fragen beschäftigten in den neunziger Jahren einen besonders Umtriebigen der oö. Volkskultur, dem wir hiermit zum Sechziger gratulieren: Hans Pammer aus Hirschbach im Mühlkreis, damals Landesobmann des OÖ. Volksbildungswerks. Die Antwort gab er mit einer zündenden Idee, von der seither bereits Hundertschaften von Interessierten profitiert haben: Er „erfand“ die Akademie der Volkskultur (AVK), mittlerweile längst eine anerkannte Aus- und Weiterbildungsinstitution. Hauptberuflich im OÖ. Landesarchiv beschäftigt und damit „einschlägig vorbelastet“, begann Hans Pammer 1999 den Probebetrieb mit Lehrgängen für Heimatforscher und Museumskustoden. Unterstützt von Hans Samhaber (Präsident OÖ. Forum Volkskultur) und Dr. Alexander Jalkotzy (OÖ. Institut für Kunst und Volkskultur), konnte er schon ein Jahr darauf das erste Akademieprogramm vorstellen. Seither gedeiht das Lieblingsprojekt des früheren Obmannes.

Die AVK ist einzigartig in ihrer Angebots- und Themenpalette. Mit ihren Programmen und Veranstaltungen bietet sie originelle Wege zur Volkskultur, weit über Traditionelles hinaus. Zu ihren Hauptanliegen zählen die Vermittlung moderner Vereinsarbeit und zeitgemäßer Kulturtechniken ebenso wie die Erforschung der Regionalkulturen und Ideen zur Ortsentwicklung. Die Mitwirkung namhafter, erfahrener Referenten motiviert zahlreiche Menschen, selbst in Vereinen und Verbänden aktiv zu werden, statt bloß Veranstaltungen zu besuchen.

Kreativität wird geschätzt in diesem Kompetenzzentrum der Volkskultur, etwa in Workshops für Musiker, Schauspieler, Dichter. Diskussionsabende laden zum kritischen Kulturgespräch, und dabei kann es ganz schön heiß hergehen. Mit Vergnügen erinnere ich mich an den geharnischten Ausbruch eines traditionsbewussten bayrischen Funktionärs angesichts einer sehr attraktiven oö. Goldhaubenträgerin mit – seiner Ansicht nach – „falscher“ Hautfarbe. Da konnte er sich noch eher mit jenen unerhörten Musikanten anfreunden, die alpenländische Volksmusik mit E-Gitarren spielten. Hundsbuam, miserablige!  Keine Frechheit, so nennen sie sich wirklich.

Info: www.akademiedervolkskultur.at, OÖ. Volksbildungswerk Tel. 0732 / 773190.