Eine Handvoll Schotter für die drei Könige

[87] OÖN 3. Jänner 2013

C+M+B gilt als Markenname der H3K. Ihren guten Ruf verdanken sie den wertvollen Mitbringseln für die Heilige Familie: Gold, das wir heute noch anhimmeln, Weihrauch und Myrrhe, damals sündteure Baumharze, als kultisch bedeutsames Räucherwerk mit therapeutischer Wirkung hoch begehrt.

Myrrhe war schon zu alttestamentarischen Zeiten unverzichtbarer Bestandteil des heiligen Salböls, vielseitiges Heilmittel und stark anregendes Aphrodisiakum, sogar Ehebetten sollen ein paar Tropfen davon abbekommen haben. So großzügig können Wohlhabende schenken, die „Heiligen Drei Könige“ mussten offenbar nicht sparen.

Mit ihrer nächtlichen Geschenkaktion, über die Bibel global beworben, haben sie den modernen Kaufrausch rund um Jesu Geburtstag ausgelöst – und heutzutage lassen sie sich selbst beschenken.

So haben sich Geben und Nehmen im Laufe der Geschichte umgekehrt. PR mittels Matthäus-Testaments hat also funktioniert, wenngleich noch nicht so flott wie über Facebook. Denn erst ab dem 6. Jahrhundert verbreiteten sich für C+M+B die Königsnamen Caspar, Melchior und Balthasar; in vielen Kulturen heißen sie ganz anders: von Larvandad, Hormisdas und Gushnasaph (bei den frühen syrischen Christen, persisch beeinflusst) bis Kagbha, Badadakharida und Badadilma (bei den armenischen).

Weitere tausend Jahre später entstand bei uns der Brauch des Sternsingens und entwickelte sich zum fixen Bestandteil des volkskulturellen Jahreslaufs. Noch in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts zogen wir Kinder von Haus zu Haus, sangen „Halleluja, die heilig’n drei Kini san da!“ und bekamen dafür „Schotter“, so manche Handvoll Kleingeld, seltener auch Naturalien.

Diesem Heischebrauch wurde ein jähes Ende bereitet. Seit 1954/55 organisiert die Katholische Jungschar ihre Dreikönigsaktion zugunsten internationaler Entwicklungshilfeprojekte. In knapp 60 Jahren hat sie bereits mehr als 330 Millionen Euro erbracht. Mit unseren Spenden machen wir nicht die „Könige noch reicher“, sondern übergeben ihnen einen kleinen Bruchteil unseres Wohlstands zur sinnvollen Verteilung in aller Welt.

Deshalb ist es völlig gleichgültig, ob es die „Heiligen Drei Könige“ wirklich gab, ob sie zu dritt waren oder ihrer fünf, Magier oder Weise, ob sie „aus dem Morgenland“ kamen oder bloß vom Landl nebenan.

Sicher ist nur: Sie waren Ausländer, das sah man ihnen an, und sie waren Heiden, Christen gab es ja noch nicht. Ihnen verdanken wir den schönen christlichen Brauch des Sternsingens.