Erfolgsrezept für Sport und Improvisationstheater: Kopf ausschalten

[137] OÖN 16. Jänner 2014

„Den Kopf ausschalten und einfach tun, was ich kann“, nennen Spitzensportler häufig als ihr Erfolgsrezept. Zuletzt sprang Thomas Diethart nach diesem Motto zum Sieg bei der Vierschanzentournee. Wer sich dagegen krampfhaft bemüht, scheitert.
Dieses Prinzip lässt sich aufs Theater umlegen. Der britische Dramaturg Keith Johnstone animierte seine Schauspieler zu mehr Spontaneität, indem er sie alle herkömmlichen Regeln missachten ließ. Sie sollten auf der Bühne nicht konzentriert nachdenken, sondern frei agieren. Damit weckte er mehr Spielfreude – der Erfolg gab ihm Recht. So begründete Johnstone das Improvisationstheater und den Theatersport: Schauspielgruppen treten gegen einander an und versuchen, die Zuschauer mit Stegreifszenen zu begeistern. Wer gewinnt, entscheidet das Publikum, indem es etwa färbige Kärtchen hochhält.
Kein Schauspieler muss für Impro-Theater eine Rolle studieren. Wichtig sind Übungen, die den Kopf frei werden lassen. Es gilt, sich von Zwängen zu lösen, angelernte Verhaltensmuster abzuwerfen, sich selbst spontanes Reagieren zu erlauben.
Schauspieler spüren, wem sie das nächste Stichwort liefern sollen, um die improvisierte Szene voranzutreiben. Das muss nicht immer „der Beste“ sein.
Peter Schaumberger vom Amateurtheaterverband erzählt aus eigener Erfahrung: „Ich kann nicht singen. Wenn trotzdem ich dazu aufgefordert werde, den Ball aber nicht weiterspiele, sondern mich hinstelle und aus Leibeskräften singe, reagiert das Publikum sogar mit größter Zuneigung.“ Wer traut sich schon, auf der Bühne zu tun, was er nicht kann? Jeder Zuschauer erschaudert bei der Vorstellung, er selbst wäre jetzt in diese Situation. Das wird schließlich honoriert. Erfolgsgeheimnis: Den Kopf ausschalten und einfach tun – auch das, was ich nicht kann.

InfoZur oö. Impro-Landesmeisterschaft 2014 treten sechs Gruppen an: „Imperfekt“ (Ottensheim), „Überraschungseier“ (Reichenthal), „N2O“ (Attnang-Puchheim), „Ton“ (Altenberg), „Transpiranten“ und „Humorvorsorge“ (beide Linz). Vorrunden: 7., 13., 14. Februar, jeweils 20 Uhr, Linzer Kulturzentrum Hof, Finale: 22. Februar, 19.30 Uhr, Landestheater/Kammerspiele.