Erregbarkeit entlarvt die Ablehnung des Andersseins

[105]  OÖN 16. Mai 2013

Die UNESCO hat, weithin unbemerkt, einen „Welttag der kulturellen Vielfalt“ eingeführt. Er soll dazu anregen, das Bewusstsein für kulturelle Vielfalt zu stärken und ihre Werte besser zu verstehen. Seit 2002 ist dieser „Welttag“ jedes Jahr am 21. Mai; das hat sich aber nicht herumgesprochen. Warum? Brauchen wir ihn nicht?

Schützen wir denn bedrohte kulturelle Ausdrucksformen in ausreichendem Maße? Fördern wir die Mobilität von Kunst- und Kulturschaffenden aus Entwicklungsländern? Ist internationale Zusammenarbeit schon zur Selbstverständlichkeit geworden? Gelten etwa Frauenförderung und Abbau von Rassenschranken als Aufgaben, die wir bereits zufriedenstellend erledigt haben?

Gerade in der alpenländischen Volkskultur zählt Verständnis für kulturelle Vielfalt nicht zu den weit verbreiteten Stärken. Leichte Erregbarkeit wegen Äußerlichkeiten entlarvt die Ablehnung des Andersseins.

Bei einem Diskussionsabend über „Das Fremde in der Volkskultur“ bewunderten wir das Bild einer oberösterreichischen Goldhaubenträgerin schwarzer Hautfarbe. Der bayerische Trachtler-Obmann dagegen fand dieses Schwarz-Gold höchst unpassend: „Wann bei uns so oana mitgehn möcht, no dazua in Tracht, der tat si anschaun, was dabei aussakummat.“

Was denn? „Na … des gabat’s net, bei uns net!“ Das war natürlich keine Drohung, nur die Ankündigung der roten Karte für den schwarzen Mann. Ihm würden inhaltliche, gegen das Brauchtum verstoßende „Fehler“ eher verziehen als sein Aussehen, das ihn ausschließlich für die Heilign drei Kini qualifiziert. Erklärungen der UNESCO können solche Vorurteile nicht aus den Köpfen verbannen.

Es bedarf konkreter Projekte, die nicht in Kommissionen endlos besprochen, sondern rasch umgesetzt werden. Zum Musterbeispiel hat sich der Linzer Integrationsball gemausert. Eine einzige „Nacht der Vielfalt“ pro Jahr ist jedoch viel zu wenig. Wer nimmt sich daran ein Beispiel? Am „Welttag der kulturellen Vielfalt“ könnten wir das Bewusstsein für kulturelle Vielfalt stärken, den Dialog der Kulturen fördern, damit unser Zusammenleben verbessern.