Erst der Krampus, dann die Percht – so haben beiden ihren Platz

[83] OÖN 6. Dezember 2012

Sie vermitteln Lebenslust und bereiten Freude – oder sie regen auf und entzweien. Alte, harmlose Bräuche  begeben sich manchmal auf Wanderschaft und setzen dann einen hässlichen Charakterzug der Menschen frei: Sogar im Brauchtum grassiert die Ablehnung des Fremden.
Besonders frech hat sich Halloween eingenistet, niemand weiß, ob und von wem diese irisch-amerikanische Sitte zu uns eingeladen wurde. Jedenfalls ist sie jetzt da, und die Süßes heischende Übermacht der Kinder würde uns Saures geben, möchten wir Halloween wieder ausweisen.
Als Ausländer nicht erkennbar ist dagegen der Adventkranz, trägt er doch auch einen leichter aussprechbaren Namen. Seine Ahnen stammen aus Hamburg, ein Teil ihrer weit verzweigten Familie ist um 1930 in Österreich eingewandert. Ja, für unsere (Ur)Großeltern war der Adventkranz noch ein Fremder! Sie haben ihn dennoch freudig begrüßt, so freundlich verfuhr man damals mit Zuwanderern vor allem aus Deutschland.
Andere Migranten haben es nicht so leicht, obwohl sie nur von einem Bundesland ins andere laufen: die Perchten. Äußerlich ähneln sie der alteingesessenen Familie Krampus, die in diesen Tagen wieder häufig öffentlich auftritt. Die Perchten rennen nicht über Staatsgrenzen, sondern nur von Salzburg nach Oberösterreich, trotzdem schlägt ihnen Ablehnung entgegen.
Weshalb? „Das ist kein typisch oberösterreichischer Brauch!“ ruft der Chor der Entrüsteten. Das zweithäufigste Gegenargument „Bei uns gibt’s den Krampus, keine Perchten!“ richtet sich selbst. Wer sich schon auf das „echte“ Brauchtum beruft, sollte es auch kennen. Es geht nämlich nicht um Krampus oder Perchten, sondern Krampus und Perchten.
Beide haben ihre Berechtigung, allerdings zu unterschiedlichen Zeiten. Warum treten zwar Nikolaus und Krampus gemeinsam auf, nie jedoch Nikolaus und Perchten? Die Zeit der Perchten beginnt erst in der Thomasnacht, nur in den Raunächten – 21. Dezember bis 5. Jänner – fegen sie durchs Land.
Wer schon Anfang Dezember Perchtenläufe veranstaltet, bekennt sich zur Ahnungslosigkeit auf dem Gebiet des Brauchtums. Perchten zu St. Nikolaus – das ist wie Christkind zu Mariä Empfängnis.
Nicht einmal Christbaum und Christkind waren ursprünglich „typisch oberösterreichisch“. Wir können uns also mit fremden Bräuchen anfreunden. Eines ist sicher: Spätestens die übernächste Generation wird heute Eingebürgertes als „traditionell“ pflegen. Vom Adventkranz bis zu den Perchten.