Frischer, fremder Wind blase durch das Museum im Kopf!

[64] OÖN 19. Juli 2012 

Wer heutzutage in hemmungslosen Medien „vorgeführt“ wird, wäre in früheren Jahrhunderten öffentlich an den Pranger gestellt worden, Spott und Hohn ausgesetzt, geschmäht und oft sogar mit Unrat beworfen. Für die systematische Erfassung solch historischer „Rechtsdenkmäler“ wie Pranger, Gerichtslinden, Burgfriedsteine wurden Oberösterreichs Klein- und Flurdenkmalforscher 2010 mit dem Landespreis für Volkskultur ausgezeichnet, der immerhin mit 7.400 Euro dotiert ist.

Für ein Projekt gelebter Völkerverständigung  ging dieser Preis 2006 an die Volkstanzgruppe Pram. Sie hatte die oö. Volkstanztradition mit Impulsen aus anderen Kulturen befruchtet. Solch gelungene Initiativen verbinden im Idealfall Bewährtes und Neues, sie brechen verkrustete Denkmuster auf, bringen Alt und Jung ebenso zusammen wie Einheimische und Zuagroaste. Für die Volkskultur, meist doch mit einem Etikett als Hüterin des Bodenständigen behaftet, kann diese neue Brückenfunktion besonders reizvoll sein. Wichtigste Voraussetzung: Ihre führenden Funktionäre müssen das „Museum im Kopf“ weit öffnen und frischen, auch fremden Wind durchziehen lassen. Sie haben ihre Rolle neu zu definieren, aus Bewahrern müssen Vordenker werden.

Das ist keine leichte Übung. Wenn sie gelingt, verdient das öffentliche Würdigung. Wie die „Bösen“ einst an den Pranger, gehören die „Guten“ nun aufs Podest gestellt. Wer Bemerkenswertes schafft, sollte aber nicht darauf warten, dass es endlich jemandem auffällt, sondern selbstbewusst zeigen, was ihm gelungen ist. Einen solchen Aufruf wider falsche Bescheidenheit lesen wir ja schon in der biblischen Bergpredigt:  „Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen.“

In diesem Sinne sind Oberösterreichs Volkskulturschaffende alle zwei Jahre aufgerufen, ihre wesentlichsten Leistungen zu präsentieren und sich um öffentliche Anerkennung zu bewerben. Es winken die OÖ. Volkskulturpreise 2012, gestiftet vom Land und der Raiffeisenbankengruppe Oberösterreich, Gesamtdotation 22.200 Euro, die Hälfte davon muss wieder für volkskulturelle Aktivitäten verwendet werden. Noch ist Zeit, an den Bewerbungen zu feilen. Einzureichen sind sie bis 3. September an die Direktion Kultur, Institut für Kunst und Volkskultur, Promenade 37, 4021 Linz.