Gegen die Heidenangst: Wer kennt noch das Osterlachen?

[99] OÖN 28. März 2013

Einen „Heidenspaß“ haben wir höchst selten in der Volkskultur. Häufiger gebärden wir uns geradezu verbissen, wenn es um das Hüten des „Echten“ geht, kompromisslos im Einsatz für das „Wahre“.
Warum nehmen wir alles so ernst? Die meisten haben es wohl nie erlebt, um wie viel beglückender die Geheimwaffe Lachen sein kann – oder auch eine gewisse Wurschtigkeit, die unserem Naturell doch ohnedies liegen sollte.
Schon wieder ein gemeinsames Thema der beiden alten Verbündeten Volkskultur und Religion. Zu Ostern werden wieder viele dreinschauen, als wäre der Karfreitag nicht überwunden. Dabei wäre „große Freude“ angebracht, also Heidenspaß (althochdeutsch „hejd“ = sehr groß).
Gegen den feierlichen Ernst, wie er dem Homo Christianus  seit Jahrhunderten eingetrichtert wurde, kann nicht einmal lustbetontes Brauchtum sehr viel ausrichten: Osterfeuer und Osterhase, Eiersuchen und -pecken, Symbolträchtiges und Kurioses. Doch wer kennt noch das Osterlachen? Bis ins 19. Jahrhundert hielt sich dieser mittelalterliche Brauch: Am Ostersonntag erzählte der Priester in seiner Predigt lustige Geschichten, bis fröhliches Lachen die Kirche erfüllte – Ausdruck der Osterfreude. „Noch 1906 soll in Reischach (Landkreis Altötting, Bayern) ein Pfarrer mit Witzen und Anekdoten bei der Osterpredigt das ganze Kirchenschiff zum Lachen gebracht haben“, schreibt Karl Veitschegger. „Er war mutmaßlich der letzte, der die Tradition des Osterlachens praktizierte. Unter seinem Nachfolger siegte auch in dieser Gemeinde der liturgische Ernst.
Freilich trieben es die Prediger im Mittelalter beim Ostergottesdienst manchmal recht bunt. Sie erzählten nicht nur harmlose Scherze und Schmunzelgeschichten, sondern machten die Kanzel häufig zur Bühne, wo sie ihr komödiantisches Talent voll auslebten.“ 
Wenn dem Priester selbst kein amüsantes Ostermärchen einfiel,  las er aus dem Buch „Ovum paschale novum“ (Neues Osterei, 1698) mit 40 Geschichten für das Osterlachen von Pfarrer Andreas Strobl. Heutzutage würde der Einfallslose im Internet suchen oder zu anderen Methoden greifen. Ein begabter Zauberer wie der jetzige Pfarrer von Mauerkirchen könnte etwa unter seiner Soutane selbst gelegte Ostereier hervorzaubern… Viele würden sich maßlos aufregen – na und? Lieber Kinderlachen als Heidenrespekt. Osterlachen könnte sogar Heidenangst vertreiben.