Granit als Gebär-, Kompass- und Weltuntergangsstein

[66] OÖN 2. August 2012 

Das Theaterstück „GRANIDD fausdd“ in Waldhausen wirft die Frage auf: Warum Granit? Ist er denn so etwas Besonderes? „Da wirst du auf Granit beißen“ ist eine eindeutige Phrase, sie drückt völlige Aussichtslosigkeit aus. Ebenso könnten wir „auf Stein beißen“ sagen oder „auf Eisen“. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich jedoch „Granit“ als Synonym für unüberwindliche Härte durchgesetzt. Sicher nicht nur, weil diese Feldspat-Quarz-Glimmer-Kombination gar so hart ist. Granit spielt von alters her eine wichtige Rolle.

Im Hochwald der Gemeinde Afiesl, deren Wappen drei Granitblöcke unter Tannen zeigt, findet der „Stoanarrische“ einen zum „Gebärstein“ behauenen Block mit halbrunden Vertiefungen. Diese erlaubten der gebärenden Frau eine komfortable Position, sagen die Wissenschafter und datieren dieses perfekt passende „Steinmöbel“ in die Jungsteinzeit, vor mehr als 5000 Jahren.

Im selben Waldgebiet verblüfft ein „Kompassstein“ den Geologen. Er wurde von frühen Menschen so geteilt, dass der Spalt genau nach Norden zeigt. Warum gerade dieser Stein? Er liegt an der Stelle einer ausgeprägten „Anomalie im Magnetfeld der Erde“, haben Geophysiker festgestellt und geben sich keineswegs verwundert. Granit weise oft eine besonders hohe natürliche Radioaktivität auf. Deshalb werde ihm auch eine starke Wirkung auf Körper und Geist des Menschen zugeschrieben. Früher fühlten es viele Menschen, heute sei es mit Messgeräten beweisbar.

Manche Legenden des Granitlandes beruhen auf der besonderen Wirkung des Granits. Wer durch die „Bucklwehluckn“ in St. Thomas am Blasenstein, eine Engstelle zwischen zwei Granitblöcken, hindurchschlüpft, werde von rheumatischen Beschwerden befreit.

Prophetisches wird den „Weltuntergangssteinen“ von St. Leonhard zugeschrieben: Früher konnte man mit einem Heuwagen zwischen ihnen durchfahren, wird berichtet. Sie rücken aber immer weiter zusammen, schon sind sie in Griffweite eines erwachsenen Menschen. Sobald sie einander einmal berühren, soll die Welt untergehen.

Bis dahin nutzen wir noch, was uns an Gutem geschenkt wird: Der granitene Dengelstein macht jede Sense scharf, aus einem granitenen Backofen kommt das beste Brot, und Sie erraten, aus welchem Material die besten Krautbottiche, Obstpresssteine und sogar Schindelnägel gefertigt wurden.