Groben Klötzen abgerungene Volkskunst am Holzmarkt Traunkirchen

[119] OÖN 5. September 2013

Papst Alexander VI. soll Michelangelo gefragt haben,  wie es ihm gelungen sei, aus einem Marmorblock die herrliche David-Statue zu schaffen. „Ganz einfach“, habe der Künstler geantwortet, „ich entfernte alles, was nicht David ist.“
Noch 200 Jahre früher, um 1300, schrieb der als „Meister Eckhart“ bekannte Mystiker Eckhart von Hochheim: „Wenn ein Meister ein Bild macht aus einem Stück Holz, so trägt er das Bild nicht in das Holz hinein. Vielmehr schneidet er die Späne ab, die das Bild verborgen und verdeckt hatten … und dann erglänzt, was darunter verborgen lag.“
Das Kunstwerk steckt im Rohstoff – der Künstler, mit dem Genius räumlicher Vorstellungskraft gesegnet, legt es frei. Handwerkliches Können und Gespür für Proportionen sind die Grundlagen seiner Meisterschaft. In unterschiedlichen Ausprägungen verfügen auch Volkskünstler über diese Talente. Viele von ihnen haben sich dem ständig nachwachsenden, „lebenden“ Werkstoff Holz verschrieben, dem am Samstag der 20. Holzmarkt in Traunkirchen gewidmet ist. Damit lebt die große Geschichte der Holzverarbeitung im Salzkammergut weiter. Ausstellen werden heimische Handwerksbetriebe, vor allem jedoch zahlreiche Kunsthandwerker, die ihre Arbeitsweise auch vorführen und sich dabei hautnah über die Schulter schauen lassen. Lebendiges Handwerk weckt das Interesse der Jungen und nostalgische Gefühle der Älteren.
Die “Krippenfreunde Salzkammergut” zeigen ihre vielfältigen Arbeiten, die sie groben Holzklötzen abgerungen haben. Schnitzer, Drechsler, Bildhauer, Korbflechter und Fasslbinder setzen Traditionen fort und entwickeln ständig neue Ideen. Auch ihr Werkzeug wandelt sich, zu Schnitzmesser und Hohleisen hat sich sogar die Motorsäge gesellt. Handtaschen aus Holz finden ihre Liebhaber(innen), zum Markenzeichen eines oö. Promi-Gastronoms wurde schon in den neunziger Jahren ein Holzmascherl, heuer gelten Holzsonnenbrillen als besonders cool.
Wer diesen Holzmarkt besucht, ist sicher nicht „auf dem Holzweg“, wie die alte Redewendung sagt: Einst wurden Wege über sumpfiges Gelände aus hölzernen Bohlen und Schwellen angelegt, die allerdings oft abrupt endeten und somit in eine Sackgasse führten. Der Holzmarkt dagegen legt die Spur vom Gestern ins Morgen.

info: Holzmarkt Traunkirchen, Samstag, 7.9., 9 bis 18 Uhr, Klosterplatz und Klostergarten.