Heimweh und die Sehnsucht nach der guten alten Zeit

[70] OÖN 30. August 2012

Sommer, Urlaub, Reisezeit. Wie einfach ist Fernweh zu befriedigen, wie schmerzhaft kann Heimweh an der Seele nagen. Ausgelöst wird es paradoxerweise häufig durch positive Reize, kleine Versatzstücke aus dem heimatlichen Lebensumfeld, die urplötzlich irgendwo auftauchen: Mitten in Afrika sprang uns ein „Bitte lächeln!“-Pickerl aus Oberösterreich auf einem ägyptischen Auto ins Auge. In kurzer Lederhose servierte ein fröhlicher Philippino ein knuspriges Hendl im Wienerwald von Manila. In einem ukrainischen Dorf verwöhnte uns eine alte Bäuerin mit „bachane Mäus, weil sonst hab i nix im Haus“. Im Park des Palasts von Peterhof, dem „russischen Versailles“ nahe St. Petersburg, spielte ein Bläsertrio in russischer Tracht eine Polka wie auf einem unserer Volksmusikfeste. Höhepunkte eines Festumzugs in der Bretagne waren alte Trachten mit Spitzenhäubchen – französisch zwar, doch auch für Österreicherinnen vertraut anmutend, fast wie bei uns dahoam.
Jedes Mal stellte es sich prompt ein, das Gefühl von Sehnsucht und Nostalgie im ursprünglichen Sinn. Die Wortschöpfung „Nostalgie“ verdanken wir dem Schweizer Arzt Johannes Hofer. In seiner Dissertation (Universität Basel, 1688) über die gesundheitlichen Auswirkungen von Heimweh verschmolz er die griechischen Wörter „nóstos“ (Heimkehr) und „álgos“ (Schmerz) zum damals neuen Begriff „Nostalgia“. So bezeichnete er krank machendes Heimweh, das er am Beispiel von Schweizer Auslandssöldnern untersucht hatte.
Erst im 20. Jahrhundert wandelte sich die Bedeutung von „Nostalgie“ zu einer wehmütigen Sehnsucht nach vergangenen Zeiten, in denen alles besser gewesen sein soll als heute. So entstand jetzt auch der neue Trend zur Tracht, seither sind volkskulturelle „Liebhabermärkte“ aus dem oö. Kulturleben nicht mehr wegzudenken.

TIPP 1: Am kommenden Wochenende bietet der „Raritätenmarkt der Volkskultur“ im Stift Kremsmünster die Gelegenheit, alles rund um die Tracht, von Hauben und Tüchern bis zu Taschen und Gebetbüchern, zu verkaufen und zu erstehen. Warenannahme: Samstag, 10 – 17 Uhr, Verkauf: Sonntag, 10 – 16 Uhr. Veranstalter: Goldhauben-, Hut- und Bauerngruppen Kirchdorf/Krems, Tel. 07582 / 7253 und 7608.

Tipp 2: Zum „Schmankerl-Sonntag“, 8 – 17 Uhr, laden die Goldhauben- und Kopftuchfrauen des Bezirkes Urfahr-Umgebung nach Vorderweißenbach, Königsederhaus in Hinterweißenbach (Richtung Guglwald). Geboten werden Köstlichkeiten aus Küche und Backstube, Handarbeiten, Trachtenaccessoires, Schmuck und Edles aus der Volkskultur. Der Reinerlös wird wieder für soziale Belange gespendet.