Herbert Scheiböck, Vorsänger der Volkskultur

[50] OÖN 12. April 2012 

„Wenn ich einen Berg sehe, lacht mein Herz“, sagt er und wohnt doch zeitlebens in Thalheim bei Wels. Wenn er „weit“ weg fährt, höchstens bis Südtirol. Als „langen Urlaub“ bezeichnet er zwei freie Wochen, die er sich zuletzt vor 40 Jahren gönnte. So ist Herbert Scheiböck. Seit 2007 steht er dem OÖ. Forum Volkskultur als Präsident vor. Von den Prangerschützen bis zu den Goldhaubenfrauen – alle 24 Verbände soll er unter einen Hut bringen.
Herbert Scheiböck war Regionalobmann Traunviertel des Chorverbandes OÖ, als ihn Forumsgründer Hans Samhaber 2007 zu seinem Nachfolger erkor. Er ist kein Selbstdarsteller, auch kein Durchschlagskräftiger, haut nie auf den Tisch, um sich durchsetzen. Ein Harmoniebedürftiger wurde zum Vorsänger der Volkskultur. Wer wollte dieser Persönlichkeit vorwerfen, dass er lieber nachgibt, als sich mit „dem Amt“ anzulegen? Mit Scheiböck kann man befreundet sein, ohne seine Einschätzungen zu teilen. Kritischen Worten hört er aufmerksam zu, Einwände wägt er sorgsam ab, wischt nichts beiseite.
Schon der kleine Herbert war mit seiner Stimme aufgefallen, aus finanziellen Erwägungen kam er nicht zu den Wiener Sängerknaben, trat aber bald bei vielen Feierlichkeiten als Solist auf. Er wurde Tischler, wechselte dann zur Telecom. In der Freizeit spielte er Trompete, holte die Gesangsausbildung nach, wurde Kapellmeister und Chorleiter, gründete ein Volkslied-Sextett und den Steinhauser Singkreis. Noch heute sind zwei Abende pro Woche für Chorproben in Thalheim und Steinhaus reserviert, „und weil bei beiden Chören auch meine Frau mitsingt, verträgt sich das gut mit dem Privatleben“.
Seinen Zeitaufwand als Chorleiter und Forumspräsident schätzt er auf 60 bis 80 Stunden pro Woche, das ganze Jahr über, ohne freies Wochenende. Wie lange hält er das aus? „Die Periode 2013–2015 mach ich noch. Früher hab ich nur die Musik gekannt, jetzt mag ich die ganze Vielfalt der Volkskultur.“ Am kommenden Sonntag feiert der stille Präsident seinen 60er. Lieber Herbert, gönn dir nach dem Weißen Sonntag wenigstens einen blauen Montag!