“In Wirtshaus sitzn, Leut ausrichtn und dáhoam aft Tánzl dichtn”

[78] OÖN 25. Oktober 2012

Zum 145. Geburtstag des Kremsmünsterer Mundartdichters Franz Hönig:

„I bin koan Wald- und Bleamáldichter, mein Fall san d’ Leut und eahni G’sichter“ – in diesem Zweizeiler aus „Á so dicht i“ steckt das Schreib-Motto eines oö. Volkskünstlers, der vor dem Vergessen bewahrt werden soll: Franz Hönig, geboren am 24. Oktober 1867, in Ried geborener Innviertler, wurde zum einflussreichsten Mundartdichter des Traunviertels.
Franz Hönig wird als vierjähriges Waisenkind von seinem Kremsmünsterer Onkel angenommen. Der „Zuagroaste“ wird wie sein Onkel Kupferschmied und entwickelt sich zur prägenden Persönlichkeit der Gemeinde. Zunächst als Mundartdichter bekannt, wendet er sich der Kommunalpolitik zu und wird zum Langzeit-Bürgermeister von Kremsmünster, von 1909 bis zu seinem Tod 1937.
Als Volksdichter nimmt sich Franz Hönig schon an der Wende zum 20. Jahrhundert sozialer und zeitkritischer Themen an, ohne jemals mit erhobenem Zeigefinger zu drohen. Im Gegenteil, Hönigs Werke, von Kurzgedichten bis zu balladenhaften Reimerzählungen, sind immer unterhaltsam, ihr Tiefgang wirkt unterschwellig. Wenn er es seinen Mitmenschen so richtig „einisagn“ will, dann immer mit lustigen Versen, die das Nachdenken erst zulassen, wenn das Lachen verhallt ist. Ein Beispiel aus dem ländlichen Liebesleben, wie es Franz Hönig beschreibt: Untreue wird natürlich immer eher dem Manne unterstellt…

’n Everl sein Kummá

’s Everl laßt sein Köpferl hängá,
Schaut so trüab und trauri drein,
Kann má’s wirkli gar nöt denká,
Was in Diandl gschehgn muß sein.

I, natürli voll Dábarmá,
Frag dann glei den armá Narrn,
Ob ’n Everl denn, den armá,
Gar sein Schatz is untreu woarn?

„Á beileibö!“ sagt aft ’s Everl,
„Woaßt, iazt han i eahná zween;
Ráffán má dö Luadán allweil,
Und dös Ding gáng eh so schen.“

In den Jahren nach 1900 boomt die Mundartliteratur, sie wird sogar zum kommerziellen Erfolg, Hönig schafft mit seinen Büchern bis zu zehn Auflagen. Hauptgrund für seine Beliebtheit ist sein mitreißender Vortragsstil, schreibt der Kremsmünsterer Heimatforscher Siegfried Kristöfl. Lesungen führen den dichtenden Bürgermeister bis Wien, Salzburg und Passau, in den dreißiger Jahren moderiert Radiosendungen.
Die Kritik sieht in Franz Hönig keinen großen Literaten, sondern einen talentierten, auch das Versmaß beherrschenden Volksdichter, der die Schwächen seiner Mitmenschen mitunter sehr deutlich aufs Korn nimmt, ohne jemals einen derben Ton anzuschlagen. Auch Selbstironie ist ihm nicht fremd:

“In Wirtshaus sitzn, Leut ausrichtn
Und dáhoam aft Tánzl dichtn
Und zun Arbátn koa Zeit –
Fránzl, herst, da bringst ös weit!“

Franz Hönig: „Sag’s außá, wia’s is“,
Hrsg. Franz Hönig Kulturverein Kremsmünster, Verlag Denkmayr, 2008.