Kann Lustiges nicht wertvoll sein?

[Kommentar “Die Sicht der Anderen” 21.2.2014]

Soso. Faschingsumzüge sind also kein Brauchtum, beschied das Büro von Landesrat Reinhold Entholzer, denn sie dienen “überwiegend der Unterhaltung und keinesfalls der ausschließlichen Brauchtumspflege”.

Wir bewundern sie, die Schnellsten unter den Lernfähigen. Wie flott sie komplexe Zusammenhänge durchschauen! Deshalb machen sie Karriere, weil sie eben keine Zeit damit verplempern, sich in eine Materie hineinzutigern und Hintergrundwissen anzuhäufen. Wozu Fachleute fragen? Die tragen doch eh alle die nebelbeschlagene Brille betriebsblinder Insider.

Ist das so? Muss Brauchtum fad sein, damit es als solches anerkannt wird? Sind nur jene Traditionen wertvoll, bei denen alles möglichst ernst abläuft, seriös statt lustig?

Bitte sehr, daran soll’s nicht scheitern, diese Auflage ist leicht zu erfüllen: Organisieren wir Faschingsumzüge ohne Verkleidungen, ohne vor Witz sprühende Gilden, verpflichten wir die Musikanten, nicht fetzig mitreißend zu spielen. Vielleicht bestücken wir noch die Faschingswägen mit Fotos der zuständigen Politiker und ihrer Beamten – ein solcher Umzug verleitet bestimmt niemanden zum Lachen, dient daher auch nicht der Unterhaltung. Darf er dann als Brauchtum gelten?

Politiker in neuem Amt sind Quereinsteiger in ihrem Fachbereich. Das muss kein Nachteil sein. Auch als Betriebssanierer holt man meist keine Brancheninsider, um ein Unternehmen zu retten. Ihr Vorteil ist die unvoreingenommene Sicht der Dinge, der andere Blickwinkel. Das Brauchtum braucht jedoch keine Sanierer. Es liegt nicht darnieder. Ihm droht höchstens dann Gefahr, wenn sich seltsam selbstbewusste Quereinsteiger gleich ein Urteil anmaßen. Dabei wäre es für das Büro Entholzer besonders leicht gewesen, zu einer vernünftigen Einschätzung zu gelangen. Mit dem früheren Goiserer Bürgermeister und SP-Landesgeschäftsführer Reinhard Winterauer genießt ein roter Ex-Grande seine Pension, der das Brauchtum im Blut hat, Tradition immer gefördert und mit Unterhaltungswert angereichert hat.

Warum nicht die eigenen Fachleute zu Rate ziehen? Oder gilt auch hier ein Ex nichts mehr, wenn er noch so viel Wissen und G’spür zu vermitteln hätte?

Schließlich ein Geheimtipp: Wer befürchtet, er würde durch Fragen als unwissend auffallen, könnte selbst Volkskulturveranstaltungen besuchen und sich selbst ein Bild machen, allerdings nicht ein-, zweimal, sondern regelmäßig. Dieses Interesse würde auch dem Wählervolk gefallen – wär’ doch keine schlechte Idee im Jahr vor der nächsten Landtagswahl.

Sei’s wie’s sei, sagen wir und bewundern die selbstsicheren Entscheidungsträger. Kraft ihres Amtes wissen sie sogar das besser, wovon sie wenig Ahnung haben.