Karl der Jüngere wird 70

[6] OÖN 5. August 2010

Karl der Jüngere wird 70. Klaus Karl, aufgewachsen in Vöcklabruck, seit vielen Jahren in Ottensheim ansässig, begnadeter Gitarrist und Schöpfer von 850 Musikstücken im Stil alpenländischer Volksmusik, feiert am Sonntag, 8. 8. seinen runden Geburtstag. (Foto: Gerti Karl)

Aus dem Sport – er spielt Faustball, segelt, radelt, wandert – bezieht Klaus Karl seine Energie fürs Musizieren wie auch für unzählige Stunden am Computer. Denn er bietet die Noten zu seinen Stückln und Liedern allen Interessierten an. Kostenlos. Auf www.klaus-karl-musik.jimdo.com sind schon 420 Titel abrufbar.

Seine Beherrschung von Computerprogrammen lässt erahnen, dass in diesem bald 70-Jährigen noch wesentlich mehr steckt: Er lernte Violine, spielt auch Posaune, Basstrompete und Tuba, studierte Welthandel, war als Exportkaufmann mehr im Ausland als zuhause, führte Geschäftsverhandlungen in englischer, russischer, spanischer, französischer Sprache. Oft entstieg er dem Flugzeug in Hörsching mit einer bekritzelten Bordkarte; wieder war dem Herrn Diplomkaufmann während des Heimfluges ein Musikstück zugeflogen. Dabei spricht er nicht von Kompositionen, sondern „musikalischen Einfällen, die von oben kommen. Es ist eine Gabe, die ich dankbar annehme.“

Jetzt wird er also 70, Karl der Jüngere, und erinnert in seiner zurückhaltenden Einstellung zum Erfolg an Karl den Älteren, seinen Vater und Lehrmeister Sepp Karl (1913 – 2003). Auch er hinterließ uns viele Melodien. Manche sind zu Volksliedern geworden, etwa das Barbara-Lied „Glück auf, liabe Bergleut“, eine Schöpfung Sepp Karls, nach 1950 den Bergleuten von Ampflwang gewidmet und von der Gruppe „Die singenden Schulmoasta z’Ampflwang“ aufgeführt. Die Zuhörer überraschte dabei eine musikalische Neuerung: Sepp Karl „erfand“ das Vor- und Zwischenspiel mit der Gitarre.

Das sollte ein Nachspiel haben: Des Sohnes beständigste Begleiterin durch ein bewegtes Leben wurde die Gitarre. Klaus Karl hat Tausende „Spielereien“ im In- und Ausland hinter sich, Hunderte Studioaufnahmen, Radiosendungen und Fernsehauftritte mit vielen Gruppen wie Bloacherbach Trio, Greßn-Musi, Mühlviertler Gitarrenmusi, aktuell die Genießermusi – sogar im Gruppennamen klingt seine Vorliebe für kulinarische Schmankerl und beste rote Tröpferl an.

Vater und Sohn Karl wollten ihre grandiose Beherrschung der Gitarre stets an andere weitergeben. Sepp schrieb ein Lehrwerk für Gitarre, Klaus wurde zum „Musikvermittler“ bei unzähligen Seminaren in ganz Österreich, in Bayern und Südtirol. Er entwickelte ein umwälzend neues System für Melodiespiel, denn „ich bin bei Lagenwechseln wie a Goaßbock ohne Orientierung aufm Griffbrett umherghupft“. Er suchte – und (er)fand – ein System, wie eine Melodie in jeder Tonart mit den gleichen Griffen zu spielen ist. Revolutionär und watscheneinfach.
Wer das als übertriebenen Werbegag empfinden sollte, kann sich bei den „Mühlviertler Volksmusikseminaren“ überzeugen lassen (www.mvm-seminare.net). Dabei lernen Sie ihn auch persönlich kennen, diesen frischen Siebziger Klaus Karl, dem als besondere Ehre in Salzburg der Tobi-Reiser-Preis 2010 verliehen wurde.

Wir gratulieren einem der ganz Großen der alpenländischen Volksmusik!