Katholisches Hochfest mit Birkenrallye am Kranzltag

[58] OÖN 6. Juni 2012 

Wir sehen uns am Kranzltag bei der Birkenrallye! Wer mit diesen doch so genauen Angaben nichts anfangen kann, ist nicht mit der oö. Volkskultur aufgewachsen. Übersetzung: Wir nehmen gemeinsam an der Fronleichnamsprozession teil.

Das “Hochfest des Leibes und Blutes Christi” wird 60 Tage nach Ostern gefeiert, also immer am zweiten Donnerstag nach Pfingsten. Fronleichnam, einem der jüngsten und zugleich beliebtesten Hochfeste der katholischen Kirche, wurden im Laufe der Zeit mehrere ausdrucksstarke Namen gegeben: Neben Sakramentstag und Blutstag auch, von ländlichem Brauchtum abgeleitet, Kranzltag und Prangertag.

„Fronleichnam“ entspricht dem lateinischen Ausdruck „Corpus Christi“ (Leib des Herrn), er wurde als „vrone lichnam“ ins Mittelhochdeutsche übersetzt. Damit war damals der lebendige Körper gemeint, nicht das heutige Wort Leichnam. Die Bezeichnung „Prangertag“ leitet sich von „prangen“ (Pracht entfalten) ab, „Kranzltag“ lässt sich sowohl mit den Myrthenkränzen im Haar der Mädchen erklären als auch den Birkenkränzen, die nach der „Birkenrallye“ gebunden und daheim aufgehängt werden.
Seit dem Mittelalter werden zu Fronleichnam Prozessionen abgehalten. Beim „Umgang“ wird  Christus selbst in Form des „Allerheiligsten“, der geweihten Hostie in der Monstranz, unter dem „Himmel“ durch den Ort und über die Felder getragen. Blasmusik, Kirchenchor, Ministranten, Brauchtumsgruppen und Gläubige begleiten die Monstranz zu den Stationen bei geschmückten Altären, Kapellen oder Wegkreuzungen. Die Prozessionswege sind traditionell mit Blumen und Birkenzweigen geschmückt, so hat sich dieser Umzug den liebevoll-kritischen Beinamen „Birkenrallye“ verdient.

Als einziges religiöses Fest hat sich Fronleichnam auch zur Touristenattraktion entwickelt, vor allem mit den Wasserprozessionen in Hallstatt, Traunkirchen und Aschach an der Donau. In Hallstatt kündigen außerdem die Fronleichnamsschützen jede Segenstation mit Böllerschüssen aus ihren Prangerstutzen an.  Lärmbrauchtum zur Ehre des Allerheiligsten – das Mysterium Christi ist tatsächlich im Volk angekommen.

Theologische Streitfrage

Die geschichtlichen Wurzeln des Fronleichnamsfestes reichen ins 13. Jahrhundert zurück. Der Nonne Juliana von Lüttich erschien im Traum das Bild eines leuchtenden Mondes mit einem schwarzen Fleck. Christus selbst soll ihr in dieser Version erklärt haben, der Mond stehe für das Kirchenjahr, in dem jedoch ein Fest zur Ehre der Gegenwart Christi in Brot und Wein fehle. Nur ihrem Beichtvater, dem Erzdiakon von Lüttich, erzählte sie davon. Dieser wurde Papst Urban IV. und führte 1264 das “Hochfest des Leibes Christi“ ein.  1277 fand in Köln die erste Fronleichnamsprozession statt.

In der Reformationszeit wurde Fronleichnam zur Streitfrage. Martin Luther bezeichnete es als “allerschädlichstes Jahresfest”. Er vermisste die biblische Grundlage, die Prozessionen betrachtete er als Gotteslästerung. Der theologische Grund liegt im unterschiedlichen Abendmahlsverständnis der beiden christlichen Konfessionen. Nach katholischer Lehre verwandeln sich Brot und Wein tatsächlich in Leib und Blut Christi, für Martin Luther bleiben sie dagegen Brot und Wein, wenn auch Christus gegenwärtig sei. Das Konzil von Trient verwarf Luthers Auffassung als Irrlehre, was Reibereien zwischen Katholiken und Protestanten ausgelöst habe, schreibt Pastor Ralf Peter Reimann (evangelisch.de): „In gemischt-konfessionellen Gebieten brachten evangelische Bauern am Rande der Fronleichnamsprozession Mist auf ihre Felder, um so gegen den Festtag zu protestieren.“