Kripperlroas im Fasching

[17] OÖN 13. Jänner 2011

Auch so wirken sich Volkskultur-Traditionen aus: Wir ersparen den fleißigen Männern der Müllabfuhr im Jänner etwas Arbeit. Denn unser Christbaum wird noch nicht entsorgt. Zwar endet die Weihnachtszeit laut römischem Ritus am 6. Jänner; für uns dauert sie nach altem Brauch bis zum 2. Februar, also das biblische Maß von 40 Tagen nach dem Heiligen Abend. Erst zu Mariä Lichtmess werden Christbäume und Weihnachtskrippen verabschiedet.

Derart unterschiedliche Interessen wie Kripperlroas und Faschingstreiben sind problemlos unter einen Hut zu bringen, denn beide gehören zur Volkskultur. Bei der Kripperlroas „reisen“ Menschen zu Fuß oder im romantischen Pferdeschlitten von Krippe zu Krippe, die in Kirchen und Wohnungen bis Lichtmess aufgebaut bleiben.

Im Gegensatz zum Christbaum ist die Krippe uralte Tradition. Schon frühe Christen bastelten  einfache Darstellungen mit dem Jesuskind, Ochs und Esel im Stall von Bethlehem, erstaunlicherweise jedoch ohne Maria und Josef. Um Gläubigen die Weihnachtsbotschaft besonders anschaulich zu vermitteln, inszenierte Franz von Assisi erstmals im Jahre 1223 das Geschehen um Christi Geburt mit lebenden Menschen und Tieren. Krippen, wie wir sie heute kennen, wurden erst im 16. Jahrhundert von Prager Jesuiten aufgestellt.

In Neapel entstanden Krippen mit lokalen Darstellungen, ohne Bezug zum „heiligen Land“:  Jesu Geburt inmitten neapolitanischer Straßen- und Marktszenen. Diese Krippen zogen besonders viele Gläubige an und wurden bald im süddeutschen Raum nachgeahmt. Die Landschaftskrippe entstand, jene Form, die bis heute, insbesondere im Salzkammergut, das beliebteste Ziel jeder Kripperlroas geblieben ist.
Die meisten dieser liebevoll gestalteten Krippen finden sich in Privathäusern. Das verdanken wir einem der zahl- und sinnlosen Versuche der österreichischen Staatsmacht, das religiöse Leben mit Verboten zu regeln: Unter Kaiserin Maria Theresia und Josef II. wurden Weihnachtskrippen aus allen öffentlichen Gebäuden, also auch aus Kirchen, verbannt. Für Salzburg erließ sogar der Erzbischof 1784 ein solches Verbot.
Statt offen aufzubegehren, damals undenkbar, wehrten sich die „Untertanen“ heimlich. Immer mehr, immer aufwändigere Krippen wurden gebaut und entwickelten sich zum Mittelpunkt der familiären Weihnachtsfeiern. Schon zu Adventbeginn begann man die Krippenlandschaften aufzubauen, täglich kamen neue Figuren dazu, am Heiligen Abend schließlich das Jesuskind, und ab Neujahr näherten sich die drei Weisen mit ihren Gaben.

Nach der letzten Kripperlroas am 2. Februar werden die meisten Hauskrippen zwar wieder verstaut. Sie versinken aber nur in einen „Frühlingsschlaf“. Schon im Sommer und im Herbst werden typische Figuren geschnitzt, vom Hirten in kurzer Lederhose bis zum russgeschwärzten Wilderer, aus Moos und Wurzeln, Pappmaschee und Steinen entstehen neue Hütten und Hügel. Die Krippenfreunde arbeiten für ihr Jesuskind – und für die nächste Kripperlroas.