Kultursponsoring: Klein und Klein gesellt sich gern

[132] OÖN 5. Dezember 2013

Da staunten der Künstler und sein Laudator: Um die Eröffnung von Robert Himmelbauers Krippenausstellung im Innviertler Volkskundehaus mitzuerleben, unterbrach der Stadtrat von Ried seine Sitzung. Die neun Stadträte aller Couleurs schenkten der Ausstellung ihre Aufmerksamkeit und kehrten am späten Abend ins Rathaus zurück, um die Sitzung fortzuführen. Nach solcher Anerkennung lechzt die Volkskultur.
Was sie noch braucht, ist Geld.
Auch Kulturvereine kennen Budgetlöcher. Zum Glück haben sie zu wenig Geld, um Fremdwährungswetten abzuschließen. Wer fast nichts hat, kann nicht hoch pokern, sagt der Obmann: Mit unserm Budget, dem knappn, kinna ma nirgends einitappn. I nahm’s bestimmt net auf mei Kappn – mia sparn uns z’ Tod, bevor ma swappn.
Dank Subventionen hat der Verein keine Angst vor dem Finanzloch, das Land garantiert sein Überleben. Wenn ehrgeizige Projekte mehr Geld erfordern, sind Sponsoren aufzutreiben. Kultursponsoring gilt als attraktiver Steuerabsetzposten, daher sind manche Firmen bereit zu helfen. Allerdings darf der Sponsor kein privates Interesse an der freiwillig geförderten Kultur haben, sagt die Finanzbehörde. Nur wenn der Sponsor ausschließlich aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen zahlt, wird das als Betriebsausgabe anerkannt. Kauft ein Unternehmen etwa Abos, um ein Theater zu unterstützen, dürfen diese Karten nur von Kunden genutzt werden, und die Finanz verlangt Aufzeichnungen, wer eingeladen wurde. Das unterscheidet Kultursponsoring von Mäzenatentum.
Ein Linzer Autohändler, der auch einen Kulturtempel unterstützt, gelangte zur Erkenntnis: „Viel Geld hineinzustecken, bringt nix.“ Das Publikum sei offenbar der Meinung, „Hochkultur sollen die Großen zahlen“. Ein im Museumsfoyer platziertes Traumauto erziele keinen Werbeeffekt, „die Menschen gehen achtlos daran vorbei“. Anderswo werde dagegen sogar geringer Finanzaufwand als positiv wahrgenommen, wenn die Besucher sehen: „Die helfen einem kleinen Verein!“ So erziele ein geringeres Sponsorpaket die größere Werbewirkung.
Diese Erfahrungen sollten Kulturvereine ermutigen. Große Konzerne mögen den großen Kulturbetrieb unterstützen, kleinere Firmen wenden sich lieber den Kleinen zu und stopfen deren kleine Budgetlöcher.

Foto: Klaus Huber