Lanzing und die fünfte Jahreszeit

[20] OÖN 3. März 2011

Bei Wetterprognosen legen sich die Meteorologen nie so genau fest wie bei diesem Datum: Am 1. März hat für sie der Frühling begonnen, der Lenz oder auch Lanzing, wie er etwa in Goisern heute noch heißt. Wenn sich der Winter verabschiedet hat, spielt die Gruppe GeignDischgu (Dischgu = goiserisch für Unterhaltung) zum Lanzingtanzl auf. Ein altes Wort lebt weiter. Die bekanntere Variante Lenz ist dagegen nur noch in poetischen Texten zu lesen, und niemand denkt dabei an den Ursprung: Das althochdeutsche „lengzo“ oder „lenzo“ (Verlängerung) bezeichnete die Zeit der länger werdenden Tage.

Im März treibt Österreichs Volkskultur besondere Blüten. Heute, am 3.3., sollen „Kunigundebrezn“ werdenden Müttern Glück bringen. Schauplatz dieses Brauchs ist St. Kunigunde am Reisberg, eine kleine Kirche ohne Strom, nur mit Kerzen stimmungsvoll erleuchtet, versteckt in den Wäldern des Kärntner Lavanttals. Kunigunde, am 3. März 1033 gestorbene Frau Kaiser Heinrichs II., bewies ihre Keuschheit und Heiligkeit, indem sie über glühende Pflugscharen lief und unverletzt blieb. Damit galt der Vorwurf des Ehebruchs als entkräftet, Kunigunde wurde heiliggesprochen und stieg zur Schutzpatronin der Schwangeren auf.

In der steirischen Gemeinde Auersbach (Bezirk Feldbach) gehen am letzten Faschingswochenende die Fleischbettler um. Während sie von Haus zu Haus ziehend um Fleisch, Mehlspeisen, Eier und Getränke betteln, sperrt eine als Polizistin verkleidete Fleischbettlerin den Verkehr. Beim Fleischbettler-Ball wird dann alles gemeinsam verspeist und getrunken.

Ebenseer Nationalfeiertage

Doch was ist das alles im Vergleich zur „fünften Jahreszeit“ in Ebensee, nirgendwo sonst wird sie mit solcher Begeisterung gelebt, sogar Geschäfte und Büros bleiben während der Faschingshöhepunkte geschlossen. Traditionell darf man während der „Ebenseer Nationalfeiertage“ schonungslos spotten, auch Prominente öffentlich kritisieren und so manches verraten, das ihnen passiert ist. Im Vordergrund steht jedoch die Freude am Erleben und Weitertragen der Jahrhunderte alten Tradition. Selbst geschneidertes Fetzengwand, g’schnegerte Larve (geschnitzte Holzmaske) und Fetzenhut sind persönliche Heiligtümer überzeugter Lackenpascher.

Nachwuchssorgen kennen sie nicht. Beim „Nuss-Nuss“-Brauch sind schon die Kleinen aktiv dabei. Das Prinzenpaar wirft Nüsse, Orangen und Süßigkeiten in die Menge. Um möglichst viel zu ergattern, schreien die Kinder eine Strophe des Fetzenmarsches: „Fåschingtåg, Fåschingtåg, kimm na båld wieda, / wånn ma koa Geld nit håbn, schern ma di nieda, / Hutzn, Fetzn, Lempn auf und nieda, hin und he, / ålles fåhrt nåch Ebensee.“ Wer am lautesten schreit, bekommt das meiste. Wie manchmal auch im richtigen Leben…

  • Ebenseer Fasching: Samstag Kinderumzug, Sonntag Faschingsumzug, Montag Fetzenzug, Dienstag „Nuss-Nuss“, Aschermittwoch Faschingverbrennen.