Aperschnalzen als Bitte um Schnee

[135] OÖN 2. Jänner 2014

Glöckler der „Traunseer“ 1923
(Foto privat)

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Mit dem Aperschnalzen am 1. Jänner soll der Winter vertrieben werden. Welcher Winter? Das seit Jahren typische Neujahrswetter verleitet zu folgendem Vorschlag: Lasst uns den Brauch umdeuten. Wenn kein Schnee liegt, den wir mit Peitschen vertreiben sollen, können wir doch den Spieß umdrehen und das Apere wegschnalzen. Als Bitte um Schnee hätte das Aperschnalzen auch wesentlich mehr Aussicht auf Erfolg. Denn irgendwann nach dem Aperschnalzen wird es bestimmt schneien.

Parallelen drängen sich auf zu Bräuchen in anderen Kulturen, zu indianischen Regentänzen und auch einem europäischen Ritual, dem rumänischen „Caiolan“ um Ostern: Bei anhaltender Dürre heißt es „Mutter des Regens“, damit fleht man um Regen; bei heftigen Regenfällen wird Caiolan zu seinem eigenen Gegenteil, zur „Mutter der Sonne“, die den Regen vertreiben soll.

Der nächste Brauch mit archaischem Hintergrund steht schon diese Woche bevor: In der Nacht vom 5. auf den 6. Jänner, der letzten Raunacht, vertreiben Glöckler die „Wilde Jagd“ der bösen Raunachtgeister. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Glöcklerläufe, von Ebensee ausgehend, in vielen Orten des Salzkammergutes populär.

Eine Besonderheit hat Gmunden zu bieten. Die Glöckler der „Traunseer“, des 1904 gegründeten „1. Salzkammergut-Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins“, tragen keine aufwändig gestalteten Sternkappen, sondern vergleichsweise schlichte Spitzkappen. Der oö. Volkskundler Rudolf Fochler vermutete einen Zusammenhang mit dem Salzbergbau, das Vorbild für die kegelförmigen Kappen sah er in „Salzstöcken“, einer früher handelsüblichen Verpackungsform.

Die „Traunseer“ begehen das Jubiläum ihres 110-jährigen Bestehens heuer mit Aktivitäten zu allen Höhepunkten des Brauchtumsjahres. Beginn ist am kommenden Sonntag mit dem Glöcklerlauf. Zur einheitlich weißen Kleidung tragen alle 30 bis 35 Gmundener Glöckler die weiße Spitzkappe und den „Stachelstecker“, die traditionelle alpenländische Gehhilfe. Von der Schiffslände laufen die Passen über die Traunbrücke zum Stadtplatz, wo sie um 18 Uhr eintreffen. Gleichzeitig kommen die Heiligen Drei Könige per Schiff über den Traunsee. In dieser Gewandung singt das Doppelquartett Edelweiß auf der Rathaus-Loggia zum Glöcklerlauf auf dem Stadtplatz.