Leben im Rauch

[4] OÖN 8. Juli 2010

Volkskultur umspannt die Zeiten. Sie lebt im Heute: Am Sonntag fährt die Pöstlingbergbahn wieder als „Dialektbergbahn“ mit Autoren der Stelzhamerbund-Gruppe „neue mundart“. Sie weist in die Zukunft: Bei der Linzer Gesangswolke sangen 8000 Schülerinnen und Schüler auch Volkslieder, die Jugend bejubelte die Polkas der Tanzlmusi.

Und die Volkskultur leistet ihre wichtige Aufgabe des Hütens und Bewahrens von Schätzen der Vergangenheit. Ein Musterbeispiel feiert am Sonntag sein 50-jähriges Bestehen: das Mondseer Rauchhaus, Oberösterreichs ältestes Freilichtmuseum. Die Geschichte dieses Hauses ist seit sechs Jahrhunderten belegt. Die letzten Bauern des Hofes „Unterer Bischofer“ waren bis 1958 Johann und Anna Maria Schmidhuber. Ihr Haus in Innerschwand musste dem Autobahnbau weichen. Es wurde abgetragen und als Freilichtmuseum in herrlicher Lage mit Blick über Mondsee wieder aufgebaut.
Rauchhäuser waren einst typisch für die Kulturlandschaft des Mondseelandes. Heute ist es geradezu unvorstellbar, unter welchen Bedingungen die Menschen – mit ihren Tieren! – darin lebten. Diese ganz aus Holz gefertigten Bauernhäuser hatten nur wenige Wohnräume mit kleinen Fenstern. Die Tenne trennte Stall und Wohnbereich, darüber befanden sich die Speicherböden für Heu und Getreide.

Diese Häuser hatten offene Feuerstellen, aber keinen Rauchfang. Denn sogar der Rauch wurde genutzt: Er zog durch Luken in der Holzdecke ab und trocknete die darüber aufgestellten Getreidegarben, bevor er schließlich durch die Ritzen im Legschindeldach ins Freie gelangte.

Die Sprache verrät, welch große Bedeutung das Feuer für die Menschen früher hatte: Häuserlisten nannte man „Feuerstättenverzeichnisse“, als „Haus“ bezeichnete der Bauer den zentral gelegenen Herdraum.

Da im 20. Jahrhundert niemand mehr auf offenem Feuer kochen und in verrauchten Räumen wohnen wollte, wurden die Rauchhäuser umgebaut oder abgerissen. 1917 hatte es im Mondseeland noch 200 Rauchhäuser gegeben, ein halbes Jahrhundert später bedurfte es großer Anstrengungen, um wenigstens das letzte erhaltungswürdige zu retten.

So wurde der „Untere Bischofer“ zu Oberösterreichs erstem Freilichtmuseum. Mittlerweile mit weiteren interessanten Objekten wie Dörrbadl, Hausmühle, Hoabad (Flachsdörrhaus), Kapellenbildstock erweitert, ist es nun über die neue Panoramastraße auf den Hilfberg bequem erreichbar. Ein Besuch kann mit einer Wallfahrt zur nahen Kirche Maria Hilf verbunden werden, und auch das Ortszentrum von Mondsee ist in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar. (Foto: Riesner)

Die Mondseer planen übrigens bereits ein neues Projekt: Das Fellnerhaus, in das 1939 ein Rauchfang eingebaut wurde, soll als letztes Beispiel eines umgebauten und dadurch modernisierten Rauchhauses dazu kommen. Schon viele Jahre unbewohnt, ist es im Zustand der fünfziger Jahre erhalten geblieben.

Das Jubiläum „50 Jahre Freilichtmuseum Mondseer Rauchhaus“ wird mit einem Festakt am Sonntag, 15 Uhr, im Festsaal von Schloss Mondsee gefeiert. Anschließend Besichtigung des neu gestalteten Areals mit Teich und Mühle. Alle Interessierten sind eingeladen, Eintritt frei.