Lipps Hunderter und Vereinsfusion – zwei gute Gründe für ein Fest

[112] OÖN 25. Juli 2013

Die Fusion zweier Traditionsvereine und der „Hunderter“ eines Großen der oö. Volkskultur – gemeinsamer Anlass für ein großes Fest nächsten Mittwoch auf Schloss Tillysburg.
Die Gesellschaft für Landeskunde, 1833 als OÖ. Musealverein gegründet, und der Verein Denkmalpflege, beide von Präsident Georg Spiegelfeld in Personalunion geführt, werden zusammengelegt. Eine Vernunft- und Gefühlsehe, denn wer von gleichen Interessen beseelt ist, braucht nicht getrennt durchs Leben zu gehen. Der fusionierte Verein wird die gesammelte Geistes- und Tatkraft seiner renommierten Mitdenker zu nutzen wissen. Eine Zukunftschance.
Ein Rückblick ist der zweite Grund zum Feiern: Vor 100 Jahren, am 30. Juli 1913, wurde Franz Carl Lipp in Bad Ischl geboren. Nach Studien der Germanistik, Geschichte, Philosophie und  Volkskunde wurde er Direktor der Volkskundeabteilung des Landesmuseums, promovierte und habilitierte sich zum Universitätsprofessor. Unter Lipps Leitung wurde das Linzer Schloss zu einem Museum für Landeskultur umgebaut. Der Vielseitige engagierte sich für die Freilichtmuseen, schrieb Gedichte und Geschichten, befasste sich mit der Entwicklung der typischen oö. Stuben, mit bemalten Gläsern, Goldhaube und Kopftuch.
Seine Erfassung der Besonderheiten verschiedener Trachten erwies sich allerdings als Hemmschuh bei der Weiterentwicklung. Viele wagten es nicht, von dem abzuweichen, „was der Doktor Lipp beschrieben hat“ – ein Missverständnis. Lipp hielt den Ist-Zustand fest, ohne diesen für immer einfrieren zu wollen. Die Scheu vor Veränderung war trotzdem groß, denn Franz C. Lipp vertrat seine Standpunkte kompromisslos, Selbstsicherheit und Überzeugung ließen ihn sehr bestimmt auftreten. Ein Interview mit ihm war der Traum jedes Filmgestalters: Klare Aussagen, perfekt formulierte Sätze, seine Sprache gestochen scharf wie ein perfektes Bild. Seine Antworten kamen ohne Vorsichtsfloskeln aus, ohne Einschübe wie „meiner Meinung nach“ oder gar „wahrscheinlich“. Er vermutete nicht, er wusste. Dozierend im Ton, formulierte er seine Erkenntnisse wie Glaubenssätze.
Dieser Mann überstrahlte das Spektrum der Volkskultur seiner Zeit. Und sogar die Schatten, die er warf, brachten Gutes hervor. Sie provozierten Licht für neue Ideen. Aus seinen Schatten traten jene hervor, denen Weiterentwicklung gelungen ist. Wie Anneliese Ratzenböck. Die Grundlage hat Franz Carl Lipp geschaffen.