Mit “salam aleikum” zur Krippe – so funktioniert Integration

[82] OÖN 29. November 2012

Wenn es am hektischesten zugeht, sollen wir besinnlich werden. Diesem Paradoxon begegnet das Brauchtum mit dem traditionellen Tanz- und Heiratsverbot seit Kathrein (25. November). Tänzer lassen es nicht mehr rundgehen, sie mutieren flugs zu Sängern und Musikanten, „tauschen Füße gegen Stimme“, wie Sandra Galatz an dieser Stelle schrieb. Die Freude an der Vielschichtigkeit der Volkskultur hält sie aktiv, so wurde etwa der Linzer Walter Osterkorn vom Trompeter zum Maler, Mundartdichter und Krippenbauer. Als weiteres Musterbeispiel in der Spezies der Vielseitigen hat der Multifunktionär, Chorleiter, Liedermacher, Textdichter Hans Samhaber aus St. Marienkirchen am Hausruck heuer ein neues Hirtenspiel geschrieben, in dem er die typische Herbergsuche unserer Zeit thematisiert und ins biblische Geschehen einfließen lässt.

Eine Herberge sucht, wer sein Zuhause verloren oder verlassen hat. Nach biblischem Bericht war auch die hochschwangere Maria lang unterwegs. Gemeinsam mit Josef besuchte sie in einem Bergdorf Judäas ihre ebenfalls schwangere Verwandte Elisabeth, um dann – zu Fuß, auf Eselsrücken – nach Bethlehem weiterzuziehen. Es liegt weit im Süden, von ihrem Wohnort Nazareth so weit entfernt wie Linz von Wien. Diese Wanderschaft symbolisiert christliches Adventbrauchtum, das nur mehr in wenigen Orten gepflegte „Frauentragen“: Ein Mariengemälde oder eine Marienstatue wird abends von Hof zu Hof getragen und dort jeweils eine Nacht und einen Tag lang beherbergt.

Hans Samhaber greift das Thema Herbergsuche in seinem neuen Hirtenspiel auf und gibt ihm eine aktuelle Dimension. Familien aus vielen verschiedenen Kulturen und Religionen haben bei uns Zuflucht gesucht. Geben wir ihnen eine faire Chance zur Integration? Binden wir sie in unser Leben ein? Lassen wir muslimische Kinder mit den Hirten zur Krippe ziehen und den neugeborenen Jesus mit „salam aleikum“ willkommen heißen? Diesen Friedensgruß, mit „schalom“ eng verwandt, hätte die Heilige Familie sicher besser verstanden als alles, was wir sagen können.

Kinder aus Ländern Europas, Asiens und Afrikas haben Samhabers zeitgemäßes Krippenspiel mit ihren Lehrerinnen einstudiert, Schülerinnen und Schüler der als Musikhauptschule Harbach bekannten Neuen Mittelschule 12 in Linz. Aufgeführt werden diese berührenden Szenen am 2. Dezember beim „Zipfer Advent“ im Linzer Brucknerhaus.

Foto: Klaus Huber