Mundart-These als Aufreger vor der Urlaubsrallye

[63] OÖN 11. Juli 2012 

Wer Mundart spreche, lerne leichter Fremdsprachen. Diese Kurzformel einer These, vorige Woche hier verkündet, hatte das Zeug zum Aufreger. Ausgerechnet zu Schulschluss, als die Autos schon vollgestopft mit Ferienlaune, Schwimmflügerln und (natürlich) guten Büchern auf die Rallye ans Meer warteten, zwang unsere Volkskulturkolumne noch einige Fachfrauen, übrigens auch –männer, zu Last-minute-Reaktionen. Da vor Urlaubsantritt Zeit besonders kostbar ist, meldeten sich mehr kurz Anrufende (A) als ausführlich Schreibende (S). Außerdem ist Reden leichter und Gesagtes nicht beweisbar.

A 1 erklärte mich für deppert. Er spreche zwar Mühlviertler Mundart, das habe aber überhaupt nicht geholfen, er könne trotzdem keine Fremdsprache. Gutes Argument.

A 4 sprach mich französisch an und erkannte, dass ein Jahr Freigegenstand, noch dazu vor mehr als vierzig Jahren, bei mir keine brauchbare Konversationsbasis gelegt hatte. „Na, wenigstens Deitsch kinnan S’ ganz guat.“ Danke.

Eine These mit Umkehrschluss vertrat A 5: „Wer Hochdeutsch und eine Fremdsprache beherrscht, findet auch wieder zur regionalen Mundart zurück.“ – ??? – Meinungsfreiheit.

Die übrigen A sowie S 1 bis 6 waren nicht befruchtend, denn sie gaben mir recht, das ist fad. Dann aber S 7, mein Liebling: „Ich kann nur hoffen, das diese gewagte These niemand glaubt. Viele Grüße sendet Ihnen ein Piefke, der seit vielen Jahren in Oberösterreich lebt und Kinder hat, denen das Erlernen einer Fremdsprache durch die Mundart nur erschwert wurde.“

„Das“ kann passieren, auch mehrmals, Unschuldsvermutung und Antwort: …wir können nie beweisen, dass Kinder, mit all ihren persönlichen Voraussetzungen, in rein hochsprachlichem Umfeld weniger oder mehr Fremdsprachenprobleme gehabt hätten. Doch wer mehr als eine Sprache – egal welche, von Latein bis Russisch, Goiserer Dialekt bis Piefke-Neusprech – wirklich beherrscht, hat riesige Vorteile beim Ausweiten seiner Sprachkenntnisse.

Das akzeptiert S 7 und lenkt ein: „Natürlich ist es meine subjektive Wahrnehmung, das sich meine Kinder beim Sprachen lernen schwergetan haben, obwohl mein Sohn sprachlich sehr begabt ist.“

Na servas, ciao, baba, schönen Urlaub! Polyglotte Gewandtheit erleichtert den Alltag auf der ganzen Welt.