Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi

[54] OÖN 10. Mai 2012 

Sie sind eine Männerrunde, treten immer gemeinsam auf, sind eigentlich gutmütig und doch ein bisserl lästig zu denen, die nicht dazu gehören. Ihren Stammtischnamen „Die Eismänner“ haben sie nicht selbst gewählt, er wurde ihnen von liebevoll kritischen Mitmenschen verpasst, denen sie alljährlich ihre Streiche spielen.
Ihre Frühlingswanderung durch Europa beginnen sie in Norddeutschland, darauf besteht Mamertus, denn nur dort wissen ihn die Menschen zu würdigen, wenn sie ihm auch nachsagen: „Mamerz hat ein kaltes Herz.“ Mamertus war Bischof im französischen Vienne und stritt heftig mit dem aus Sardinien stammenden Papst Hilarius. Das schätzen die Deutschen. Deshalb gilt er bei ihnen als Anführer der Eisheiligen, sie feiern ihn am 11. Mai.
Den Weg nach Süden macht Mamertus nicht mit, darum kennt ihn hier auch niemand.  So kann sich Pankraz am 12. Mai feiern lassen, ein Phrygier aus Kleinasien. Sein Name – griechisch pan = ganz, krátos = Kraft – wird als „Der alles Besiegende“ gedeutet, trotzdem wurde er von den Römern schon als 14-Jähriger enthauptet.
Am 13. Mai übernimmt der Armenier Servatius („der Gerettete“) die Führungsrolle. Er wird verehrt, weil er die Bewohner des heute belgischen Tongeren rechtzeitig vor einem Überfall der Hunnen warnte. Seinen Bischofssitz verlegte er dennoch nach Maastricht – eine Fehlentscheidung. Mit einem Holzschuh soll Servatius dort erschlagen worden sein.
Dieses Schicksal teilt er mit dem Kollegen Wynfreth, einem Engländer, der als Bonifatius („der Wohltäter“) zum „Apostel der Deutschen“ wurde. Er gründete acht süddeutsche Bistümer, darunter auch Passau und Salzburg. Als er bereits über 80 Jahre alt war, zog er als Missionar nach Friesland und wurde dort von Heiden erschlagen. Bonifatius soll den Märtyrertod provoziert haben, um seine Bistümer über seinen Tod hinaus als heiliger Patron schützen zu können. Das Martyrium ereilte ihn nicht am 14. Mai, sondern am 5. Juni. So ist es auch erklärbar, warum die Eismänner in manchen Jahren später kommen.
Es liegt also nicht an der notorisch unpünktlichen „Kalten Sopherl“, die ihren 15. Mai so oft verschläft. Irgendwann wacht sie immer auf: „Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi – und zum Schluss fehlt nie die kalte Sophie.“