Petri Stuhlfeier – 22. 2. als Lostag für die Liebe und das Wetter

[94] OÖN 21. Februar 2013

Es ist tatsächlich die gemeinsame Sprache, die uns unterscheidet, Oscar Wilde und Karl Farkas hatten schon recht. Für deutsche Ohren klingt etwa der Ortsname Alberndorf kurios, mein schwäbischer Schwiegersohn zerkugelt sich angesichts dieser Ortstafel. Albern!

Drehen wir den Spieß um. Für uns ist der Begriff Stuhlfeier entweder unbegreiflich oder zum Kichern. Feiern etwa überbesorgte Eltern, wenn ihr kleiner Peter endlich die Verstopfung überwunden hat? Stuhl oder Sessel oder gar Thron – es ist ein Gwirkst mit unserer Sprach’.

Morgen steht „Petri Stuhlfeier“ auf dem Kalender, der alte Festtag erinnert an die Übernahme des Bischofsstuhls von Rom durch den Apostel Petrus. Zum viel beachteten Datum wurde der 22. Februar im Mittelalter: Er war Lostag für die Liebe, „Dingtag“ (Gerichtstag) für Hirten, Knechte und Mägde, und in die Häfen deutscher Hansestädte kehrte neue Betriebsamkeit ein. Jetzt endete nämlich die Winterpause der Schifffahrt, die vom 11.11. bis zum 22.2. eingehalten wurde, von Martini bis Petri Stuhlfeier.

In manchen Regionen galt der 22. Februar sogar als erster Frühlingstag. Aus langjährigen Wetterbeobachtungen leiteten Bauern ihre Wetterregeln ab: „Ist Petri Stuhlfeier kalt, hat der Winter noch vierzig Tage Gewalt.“ Allerdings wurde auch das Gegenteil verkündet: „Nach der Kälte der Petersnacht verliert bald der Winter seine Kraft.“ Zwei Regeln im Wettstreit miteinander – eine behielt immer recht.

Lässt jetzt die Kälte nach, dürfte sie bald ganz schwinden: „Wenn zu St. Petri die Bäche sind offen, wird später kein Eis mehr auf ihnen getroffen.“ – „Ist Petri Stuhlfeier schon schön, kann man bald Kohl und Erbsen säen.“ Kurzfristige Erwärmung soll sich dagegen schlimm auswirken: „Schließt Petrus die Wärme auf und Matthias (24.2.) dann wieder zu, so friert das Kalb noch in der Kuh.“

Zurück zum österreichisch-deutschen Missverständnis. Anlass für das Fest Petri Stuhlfeier war die Inthronisation (oder Thronerhebung) des Apostels als Bischof von Rom. „Thron“ verstehen wir. Unsere Oma setzte die Kleinen „auf den Thron“, wenn es sein musste. Stuhlfeier also nicht nur am 22. Februar.