Playback, zuwispielen, fabulieren: Symphoniker schätzt Volksmusikanten

[133] OÖN 12. Dezember 2013

Vor genau einem Jahr war hier mein Plädoyer für Playbackaufnahmen in Fernsehfilmen zu lesen: Aus Qualitäts- und Kostengründen dürfe sich auch die Volksmusik der zeitgemäßen Aufnahmetechnik nicht verschließen. Diese Kolumne störte den Weihnachtsfrieden erboster Puristen.
Vergangenen Samstag bewunderten Oberösterreichs Fernsehzuschauer die Aufzeichnung des „Zipfer Advents“. Einer, der mich im Vorjahr scharf kritisiert hatte, wollte nach dieser Sendung offenbar einlenken: „Ich gebe zu, das war hervorragend. Jetzt hast mich mit dem Playback versöhnt.“
So kann man sich täuschen. Der Zipfer Advent im Fernsehen war natürlich eine Live-Aufzeichnung, dem anspruchsvollen Publikum im Brucknerhaus würden wir niemals eine Playback-Show vorsetzen.  Diese Zumutung bleibt den original Fidelen aus der Kommerzsparte überlassen.
Voraussetzungen für das Gelingen einer Live-Aufzeichnung sind die Professionalität des Technikteams und das hohe Niveau der künstlerischen Darbietungen. Von Sängern und Volksmusikanten  werden Textsicherheit und saubere Spieltechnik verlangt. Kein Ton darf wackeln, jeder Einsatz muss genau getroffen werden, die Großaufnahmen würden jeden Fehler gnadenlos entlarven. Doch darum braucht sich niemand Sorgen zu machen, die Besten in der gehobenen Volksmusik sind zwar durchwegs Amateure, selbst Profis attestieren ihnen jedoch bemerkenswertes Können. Der Wiener Symphoniker in unserer Sippe, ein Geiger, gab zu: „Wir spielen wahrscheinlich schöner, doch was die können, könnten wir nicht.“ Es sei für ihn schon unvorstellbar, das gesamte Repertoire ohne Noten zu spielen. Die „große Kunst der Volksmusikanten“ sei jedoch das „Zuwispielen“ – ob sie ein Stück kennen oder nicht, nach kurzem Einhören spielen sie schon mit, egal in welcher Tonart. „Das haben wir nie gelernt“, bekannte der klassisch ausgebildete Musiker, „wir haben’s nicht einmal probiert“.
Damit schließt sich der Kreis zum Reizthema Playback. Ohne Noten „zuwispielen“, improvisieren und ausschmücken, gerne auch als „fabulieren“ bezeichnet, verträgt sich nicht mit Playback. Denn dabei muss ein Stück mehrmals genau gleich gespielt werden, erst im Tonstudio, dann vor der Kamera. „Das können wir wieder besser“, lachte der Symphoniker. Sie spielen ja auch nach Noten. —–(Foto Zipfer Advent: Volker Weihbold)