Prosapreis an Lyriker – Lasinger gewinnt Wettbewerb für Kurzgeschichten

[128] OÖN 7. November 2013

Talent, Können, Meisterschaft seien ungerecht verteilt, klagt mir ein an der Staffelei dilettierender Amateurkünstler. Sein Freund sei schon als Maler wesentlich erfolgreicher, und nun stellt eine Galerie sogar seine Skulpturen aus.
Parallelbeispiele finden sich in vielen Bereichen künstlerischer Begabungen: Der meistbewunderte Volksmusik-Bassist und der unumstrittene Meister der Maultrommel sind auch hervorragende Klarinettisten, ein begnadeter Lyriker gewann den 2011 erstmals ausgeschriebenen Prosawettbewerb für Kurzgeschichten – die Besten ihrer Zunft sind häufig auch vielseitig.

Der 2. Wettbewerb um den Franz-Stelzhamer-Preis für Kurzgeschichten in Mundart förderte ein weiteres Beispiel zutage: Der Siegertext stammt wieder von einem Lyriker, dem aus Kaltenberg im Mühlviertel stammenden Engelbert Lasinger, bekannt geworden mit „neuer Mundart“. Auf knappste Form reduzierte, reimlose Gedichte sind sein Metier. Nun hat er eine berührende Kurzgeschichte vorgelegt, mit der er die Jury beeindruckte und bei der öffentlichen Präsentation das Publikum in Atem hielt: „Fliegelschlog“. Ein Mensch gleitet ab. Er steigt aus seiner ihn beengenden Haut heraus und betrachtet sein Leben von außen  – ein beklemmendes Bild, literarisch verdichtet. Als er schließlich auf einer Parkbank stirbt, streift neben ihm ein Schmetterling seine Hülle ab. Ein Flügelschlag zu neuem Leben.

So beginnt Lasingers Siegertext: „Hoagenau ban zwölftn Schlog va da Kirchnuhr is in da Stodt Nöwi aufkemma. Dicka, schwaara Nöwi, der Häusa und Strossn, Bam und Wiesn gfressn hod. Des woa genau da Moment, wo ‘s Woin und ‘s Toa, d’ Vazweiflung und d’ Aungst oans wordn san. Und da Stodtpark hod d’ Luft aunghoidn.
A weng kraumpad, owa wüd entschlossen greift da Hauns mid da rechtn Haund üwan Kopf umi afn Hoaraunsotz seina linkn Schläfn. A weng a Zaudern nuh, a kurza Schnauffa, daun zaht er mid volla Kroft aun sein Hoarbüschl, bis d’ Kopfhaut nochgibt und mid an dumpfn Knirschen reißt. …“

Weitere Preisträger: 2. Gertraud Felix (Eberschwang), 3. Edeltraud Wiesmayr (Vöcklabruck), dann ohne Reihung unter den besten zehn: Anna Gruber (Dornbirn/Vorarlberg), Hubert Brenn (Längenfeld/Tirol), Hans Dieter Mairinger, Peter Hauger, Markus Simanko (alle Linz), Hildegard Mair (Prambachkirchen), Leopold Schöllhuber (Wilhering).

info: Die gesamte Geschichte von Engelbert Lasinger lesen Sie auf www.nachrichten.at/kultur