Schöner, besser, g’scheiter: Wettkampf beflügelt die Fantasie

[110] OÖN 27. Juni 2013

Citius, altius, fortius – das olympische Motto „schneller, höher, stärker“ gilt im Sport. Den Drang, sich mit anderen zu messen, fühlen aber auch viele Kulturaktivisten. Sie lechzen nach Wettbewerb, dem besten Mittel gegen Fantasielosigkeit.
Dabei muss es nicht ernst zugehen. Als schweißtreibende Gaudi ließ man sich im Attergau die Waffenradl-Trophy einfallen. Am kommenden Samstag werden die schweren Steyrer Räder zu Sportgeräten nostalgischer Pedaleure. Alle müssen in Tracht gewandet sein, zur Begleitung wird Volksmusik gespielt.
Volkskultur-Wettbewerbe suchen die dichtesten Gamsbärte und die prächtigsten Kreuzschnäbel, die Landjugend kürt ihre schnellsten Mäher. Blaskapellen treten in vielen Disziplinen gegeneinander an, im weiten Feld zwischen Tradition (Polka, Walzer, Marsch) und moderner Rasenshow. Theaterkompanien messen sich auf der Bühne: Der Förderpreis „Jungwild“ wird am Samstag im Rahmen des Internationalen Theaterfestivals Schäxpir im Linzer OK vergeben. Fast überall werden „die Besten“ ermittelt.  Dagegen verzichtet der Alpenländische Volksmusikwettbewerb in Innsbruck auf Ranglisten, denn wer Sieger kürt, lässt immer auch Verlierer zurück. Deshalb erhalten die Volksmusikanten verbale Beurteilungen und Noten von „ausgezeichnet“ bis zum gnädigen „teilgenommen“.
Zum Leistungssport hat sich die Lyrik gemausert. Als literarische Vortragswettbewerbe haben sich die aus den USA herüberschwappenden „poetry slams“ auch bei uns ein Stammpublikum gesichert. Selbst geschriebene Texte werden möglichst wirkungsvoll vorgetragen, die Zuhörer küren die Sieger.
Dichten war bis 1948 eine Disziplin bei den Olympischen Spielen. Diesen sportlichen Gedanken greift der Stelzhamerbund mit zwei Wettbewerben für Mundartdichter auf: Der Franz-Stelzhamer-Preis wird für Kurzgeschichten vergeben, also Mundartprosa, und der neue Franz-Hönig-Preis wird die Tradition gereimter Mundartgedichte frisch beleben. Im Franz-Hönig-Kulturverein Kremsmünster wurde dafür ein begeistert mitwirkender Partner gefunden. Wer noch teilnehmen will, muss sich beeilen: Für beide Wettbewerbe ist am 1. Juli Einsendeschluss (Ausschreibung auf www.stelzhamerbund.at).
So sucht auch die Volkskultur den Wettkampf. Statt „schneller, höher, stärker“ bevorzugt sie allerdings das Motto „schöner, besser, g’scheiter“.