Schulbeginn als Chance fürs Bodenständige

[71] OÖN 6. September 2012

Jetzt stecken wir schon wieder mittendrin im „Frauendreißiger“, der 30-Tage-Zeitspanne ab dem 15. August. Dieser „Marienmonat im Sommer“, den nur mehr die Älteren kennen, gilt als die beste Zeit zum Kräutersammeln.
Wenn in den Tagen um Mariä Geburt (8. September) die Schwalben wieder „furt“ fliegen, dann nahen der von Ferienlangeweile erlösende Schulbeginn, die bunten Herbsttage und, jedes zweite Jahr, das „Fest der Volkskultur“, heuer vom 21. bis 23. September in der Sauwaldgemeinde Kopfing. Das ist ein perfekt gewählter Termin für die große Leistungsschau aller Volkskulturverbände des Landes. Nicht nur, weil das Wetter am ersten Herbstwochenende meistens gnädig mitspielt und den Festort in warme, satte Farben taucht, sobald die morgendlich kalte, milchige Landschaftsdecke aufgetrocknet ist. Er läutet auch alljährlich die zweite Hoch-Zeit der Volkskultur ein.
Dem freudigen Aufbruch im Frühling steht die gedämpfte Stimmung im Herbst an Intensität nicht nach. Nicht nur in den Schulen beginnt das neue Arbeitsjahr.
Jetzt zeigen auch die schöpferischen Geister, was in ihrer sommerlichen Ideenwerkstatt geboren wurde. Häufig kommen sie Hand in Hand daher, die neuen Projekte der Schulen und der Volkskultur. Deshalb sollte dieses Anliegen nicht als verwegen aufgefasst werden: Die österreichische Schule möge den Kindern von klein auf auch unsere bodenständige Kultur nahebringen, gleichsam nebenbei, in (fast) allen Schulfächern, damit sie – bei aller wünschenswerten Internationalität unserer Zeit – den eigenen Kulturkreis verinnerlicht haben, wenn sie „aus der Schule kommen“.

Auf den reflexartigen Einwand „des geht net“ sage ich: „Geht net – gibt’s net“ für den, der Neues zulässt. Man kann Brauchtum im Smartphone googln und eigene Raunachtsstreiche auf dem Laptop niederschreiben lassen, wenn’s der zeitgemäßen Befindlichkeit entgegen kommt. Aus YouTube heruntergeladene Volkslieder sind natürlich viel cooler als die vom schuleigenen Tonträger, dazu selbst erfundene Texte bei weitem lustiger als die alten.
Und wer schon zu Schulbeginn beschließt, etwa die Jahresabschlussfeier im nächsten Juli in Mundart zu halten, dabei – von der Direktorin bis zum Elternvereinsobmann – legere Tracht zu tragen, baut ohne großen Zusatzaufwand ein lustbetontes Kulturprojekt auf, an das sich die Schüler immer erinnern werden.
Info und Projektideen: klaus.huber@gmx.com