So bleibt der Blaudruck lebendig

[80] OÖN 15. November 2012

Das Färbermuseum Gutau erhält den mit € 7.400 dotierten OÖ. Volkskultur-Landespreis 2012. Vier Förderpreise zu je € 3.700 gehen an Initiativen in Kopfing, Taiskirchen und St. Agatha (Gemeinde Bad Goisern) sowie die Österreichisch-Kroatische Gesellschaft OÖ. Die Volkskulturpreise, zu je 50 Prozent gestiftet vom Land OÖ und der Raiffeisenbankengruppe OÖ, werden heute, 20 Uhr, im Steinernen Saal des Linzer Landhauses verliehen.

Die Verdienste des Färbermuseums in Gutau (Bezirk Freistadt), wo das Färbergewerbe seit dem 17. Jahrhundert angesiedelt ist, gehen weit über die bloße Erhaltung einer alten Kulturtechnik hinaus. Blaudruck wird nicht nur in seiner geschichtlichen Entwicklung dokumentiert, sondern wieder im Alltag angewendet, vom Dirndlkleid bis zur Pfarrerstola.
Im alten Gutauer Färberhaus, wo das „Zötl-Zimmer“ an die Färberfamilie Zötl und ihre berühmten Mitglieder Aloys (surrealistischer Maler) und Dr. Hans Zötl (Mitbegründer des Stelzhamerbundes) erinnert, ist seit 30 Jahren Österreichs einziges Museum dieser Art eingerichtet. Als neuer Vereinsobmann wagte sich der Banker Alfred Atteneder vor zwei Jahren an Veränderungen: „Ich wollte das Museum entstauben und Dynamik hineinbringen. Da die Besucherzahlen sanken, war ein Aktivbereich zu installieren.“
Mit dem seit 2000 gut eingeführten Färbermarkt hatte sich Gutau bereits einen Namen gemacht. Nun sollte ein „lebendes Museum“ geschaffen werden. Mit Rita Netzberger aus Hagenberg fand sich eine Schneiderin, die selbstständig eine Blaudruck-Werkstatt betreibt. „Ich wollte für Gutau mindestens einen Arbeitsplatz schaffen“, freut sich Alfred Atteneder, „jetzt sind es schon drei!“ Denn Rita Netzbergers Blaudruck-Werkstatt ist so gut ausgelastet, dass sie bereits eine weitere Schneiderin und einen Lehrling aufgenommen hat. So lässt sich Volkskultur erhalten und weitergeben, vom „klassischen“ Blaudruck-Dirndl bis zum Blaudruck-Oberteil für Jeansträger wird Konfektion angeboten, die Schneiderin veranstaltet aber auch Dirndl-Nähkurse, hilft vom Zuschneiden bis zur letzten Naht.
Bald sollen in Gutau auch Kurse für Färben und Drucken stattfinden, denn Alfred Atteneder schwebt Ehrgeiziges vor: „Wir wollen das Blaudruck-Kompetenzzentrum Europas werden, mit der Kunstuniversität zusammenarbeiten und ein Sommersymposion ins Leben rufen.“ Damit kann Volkskultur sogar mithelfen, Qualitätstourismus in Gutau zu beleben.
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Förderpreise:

  • Kulturzeit Kopfing

Das Projekt „Kulturhaus und Park für Kunst und Kultur“ verbindet Volkskultur und Volksbildung, der Verein Kulturzeit schaut damit vorbildlich über den Tellerrand der Volkskultur hinaus. Mit der Kultivierung einer verwilderten Fläche wurde ein Schandfleck mitten im Ort beseitigt: Im Kulturpark stehen wieder Kletzenbirnbaum, Stampfstein und Gattersäulen, das historische „Häuslerhaus“, einst Herberge für Störhandwerker,  wurde zum Kulturzentrum.

  • Marktmusikkapelle Taiskirchen

Die Blasmusik wurde in „Tåskira“ wieder zum Nahversorger tanzbegeisterter Menschen. Die Musiker bildeten mehrere Tanzmusik-Ensembles und luden zu Volkstanzkursen. Ziel der Initiative „Voixtanzn tat i gern“: Volksmusik und Volkstanz sollen wieder zum Alltag gehören. Wer tanzen kann, ist immer einen Schritt voraus.

  • Österreichisch-Kroatische Gesellschaft OÖ

In Oberösterreich und in Slawonien (Ost-Kroatien) ist Goldstickerei ein wichtiger Teil des Trachtenschmucks. Das völkerverbindend wirkende Projekt „Goldhauben – Zlatare“ verglich kroatische und oö. Sticktechniken, arbeitete das Gemeinsame heraus und organisierte Ausstellungen in Linz sowie drei kroatischen Städten.

  • Volksschule St. Agatha / Bad Goisern

Einen Schulgarten voller Pflanzen und Tiere zeichnete die Jury aus, da er einen sehr weit gefassten Volkskultur-Begriff fördere.  Den Kindern wird wieder bewusst gemacht: „Was ich anpflanze, kann ich ernten, was ich ernte, kann ich verarbeiten und essen.“
Anstelle einer Wildnis gibt’s jetzt Kräuterhügel, Gemüsebeete, Erdäpfelacker, Obstbäume, Bienenstock, Blumenkistchen, Himbeerstauden, Pfälz- und Baumschnittkurse werden angeboten, die Jungen des „Schulhasen Sissi“ wuchsen im Schulgarten auf, und das Brutprojekt zeigt den Kreislauf des Lebens: Küken schlüpfen, werden aufgezogen, legen selbst wieder Eier…