Soll auch die Volksmusik mit Playback arbeiten?

[84] OÖN 13. Dezember 2012

Wieder herrscht Aufregung um das Thema Playback. Wann ist Playback schrecklich, wann jedoch sinnvoll – und soll auch die Volksmusik mit Playback arbeiten?
Mit Schaudern erinnere ich mich an einen weihnachtlichen Musikfilm: Eine volkstümliche Gruppe spielt vor verschneiter Gebirgskulisse. Die „original fidelen“ Musikanten latschen durch das frische Weiß, spielen auf umgehängten Gitarren und Harmonikas. Und daneben steht der Kontrabass im knöcheltiefen Neuschnee! Welcher ernsthafte Musiker würde das seinem Instrument antun? Ein abschreckendes Beispiel, aber nicht „typisch Playback“, wie so mancher Kritiker leichthin urteilt. Die zu Unrecht gescholtene Aufführungs- und Produktionsmethode Playback bietet nämlich viele Vorteile, sie hebt die Qualität sowohl der Tonwiedergabe wie auch der Bildgestaltung und senkt gleichzeitig die Produktionskosten.
Bei Live-Sendungen kann Playback riskant sein, wenn nicht alle Mitwirkenden das Stück perfekt beherrschen. Ein Geiger spielt in einer Musikpause weiter, der Sänger hat den Text vergessen und bewegt seine Lippen nicht synchron zum Text – ertappt!
Perfektion ohne Risiko ermöglicht Playback dagegen bei Film- und TV-Produktionen. Der Ton wird zuerst im Studio aufgezeichnet, denn eine störungsfreie Tonaufnahme am Drehort ist fast nie möglich. Die fertige Tonspur wird dann beim Filmdreh so laut abgespielt, dass die Musikanten den Lautsprecherton deutlich hören können, obwohl sie gleichzeitig dazu spielen. (Simulieren sie nur, ist das an allzu entspannter Mimik und Gestik zu erkennen.) Außerdem stört bei dieser Drehmethode kein Wald von Mikrofonständern im Bild, denn der Ton wird ja nicht mehr aufgezeichnet, er ist bereits „im Kasten“.
Kostensenkung ist das wichtigste Argument für Playback. Eine Kamera genügt. Die Gruppen müssen dasselbe Stück allerdings so oft spielen, bis diese einzige Kamera das Bild aus allen gewünschten Blickwinkeln aufgezeichnet hat – als wären vier bis sechs Kameras eingesetzt, was sich, außer bei hoch dotierten Großproduktionen, niemand leisten kann.
Noch etwas spricht für die Playback-Methode: Selbst die Besten spielen dasselbe Stück nicht vier oder sechs Mal gleich schnell, was jedoch Voraussetzung für exakten TV-Schnitt ist. Nur die Playback-Wiedergabe garantiert genau gleiches Tempo.
Handelt es sich dann noch um „echtes“ Musizieren? Selbstverständlich. Denn die Musikanten spielen alles selbst, zuerst im Studio, dann am Drehort. Überzeugte Volksmusikanten würden nie jemand anderen an ihrer Stelle spielen lassen.